Montag, 21 März 2016

Wiedergeburt eines Denkmals

Posted in email aus New York

Das Metropolitan Museum zieht in den Marcel-Breuer Bau an der Madison Avenue

Das Gebäude an der Madison Avenue ist bis heute ein Schocker, man kann nachvollziehen, warum es zu seiner Eröffnung vor 50 Jahren nach den Worten der Kunstkritikerin Ada Louise Huxtable, „das am meisten gehasste Haus von New York“ war. Zwischen den sorgfältig restaurierten Queen Anne Villen der Upper East Side nimmt sich der strenge Betonbau von Marcel Breuer aus, wie eine Befestigungsanlage an der Atlantikküste in den 1940er Jahren.

Und doch haben die New Yorker den Breuer Bau mit seiner brutalistischen Wucht, der bis vor zwei Jahren das Whitney Museum of American Art beherbergte, in ihr Herz geschlossen. Die New Yorker haben zunehmend gelernt, die gewagte architektonische Geste von Breuer  wert zu schätzen, sie sind, wie Huxtable schrieb, langsam auf den Geschmack gekommen, „so wie auf den Geschmack von Oliven oder warmem Bier.“

Breuers Bekenntnis zur Moderne und der Wille zur Provokation entsprach dem Selbstverständnis des Whitney Museums, das sich nun jedoch eine zeitgemäßere massentaugliche Heimat im schicken Meatpacking District gegönnt hat. An diesem Wochenende zieht dafür das Metropolitan Museum mit seinem Ableger für zeitgenössische Kunst in den Breuer Bau, mit dem erklärten Ziel, den ursprünglichen Geist des Hauses wieder aufleben zu lassen.

Das Bäumchen Wechsel-Dich der New Yorker Museen kommt einer bedeutsamen Umschichtung der Kunstlandschaft hier gleich.  Das Whitney hat sich mit seinem Umzug in den Renzo Piano-Bau Downtown in die Ränge der Großen eingereiht, um wie das MoMa oder das Metropolitan Museum seine enorme Sammlung einer maximalen Besucherzahl zugänglich zu machen. Das Metropolitan macht mit seiner kostspieligen Anmietung des Breuer Baus hingegen seine Ambitionen dingfest, auf dem Spielfeld der zeitgenössischen Kunst mitzumischen, mit der sich das lexikalische Supermuseum bislang nur zurück haltend beschäftigt hat.

Es ist eine fantastische Gelegenheit für die New Yorker Kunstszene. Wie der Kunstkritiker Jerry Saltz bemerkte, verfügt kein anderes Museum über ähnliche Ressourcen, wie das Metropolitan Museum, dem sowohl an Objekten aus allen Epochen, als auch an finanziellen Mitteln reichsten Museum der Welt. Mit dem Breuer Bau bekommt das Met nun Räume, die dazu einladen konzentrierte und potenzielle bahnbrechende Ausstellungen zu inszenieren.

Das wäre ganz im Geist des alten Whitney, das sich stets als Labor verstanden hat. Kern des Whitney-Programms war immer die Biennale, in der sich das Museum die Aufgabe gestellt hat, einen Über- oder zumindest Einblick über die aktuelle Kunstszene zu geben. Die Ausstellungen waren oft anarchisch und turbulent, es kam nie vor, dass sie keine Diskussionen auslösten.

Diesen Anspruch hat auch die Eröffnungsausstellung des neuen Museums, das sich nun „Met Breuer“ nennt, um deutlich zu machen, wie zentral die Architektur für das Konzept des Hauses ist. Doch die Ausstellung wird der Ambition nur eingeschränkt gerecht.

Unter dem Titel „Unfinished“ verspricht das Met im neue Breuer Bau eine Erforschung dessen, was es bedeutet, ein Kunstwerk wirklich fertig zu stellen. Dabei spannt das Met aus dem Reichtum seiner Sammlung einen Bogen von 500 Jahren.

Die Geste ist durchaus couragiert. Zwischen den strengen Betonwänden des Breuer Baus, werden Werke von Tizian über Van Gogh bis hin zu Jackson Pollack und Eva Hesse zusammen gezeigt. Laut einstimmigem Tenor der Kritik ist den Kuratoren jedoch auf halbem Wege der Mut ausgegangen.

Anstatt durch wirkungsvolle Gegenüberstellungen wirklich der durch und durch modernen Idee des unvollendbaren Kunstwerks  auf den Grund zu gehen, hat das Met Breuer letztlich eine brave chronologische Darbietung von Meisterwerken abgeliefert. Wirklich zum Philosophieren lädt das nicht ein. Mehr noch, die Auswahl bewegt sich innerhalb der abgesicherten Grenzen des abendländischen Kanons, obwohl die Sammlung der Met weite Ausflüge in andere Kulturen leicht ermöglicht hätte.

Doch es ist ein Anfang gemacht, in New York eine Museumsform wieder  zu beleben, die im Zeitalter der Mega-Häuser und der Blockbuster Ausstellung vom Aussterben bedroht ist: Das kleine aber dennoch wohl finanzierte Museum, das sich als Ideenlabor versteht. Das Met Breuer ist der ideale Ort dafür, die Schirmherrschaft des Metropolitan bietet dafür ideale Bedingungen. Man darf auf die kommenden acht Jahre – die vorläufige Dauer des Mietvertrags zwischen Whitney und Met – gespant sein.

Freitag, 27 Februar 2015

Herumtapsen im digitalen Dickicht

Posted in email aus New York

Die Triennale des New Museum of Contemporary Art

Ein Gang durch das New Yorker New Museum ist dieser Tage ein wenig so, als surfe man für eine Stunde oder so wahllos durch das Internet.

Da ist im Eingangsbereich ein Video mit einem informellen Chat zwischen Künstlern und Kuratoren über Kunst und das Kuratieren. Dann taucht man im Treppenhaus in einen ambienten elektronischen Club-Sound ein. Als Nächstes findet man sich vor einer Leinwand, auf der eine Obama-Rede läuft. Und wenn man weiter geht, findet man sich plötzlich in einem 3D Dschungel wieder.

Das Gefühl des Durchklickens durch die Ausstellungsräume, einem Impuls nach dem anderen folgend, ist wohl beabsichtigt. Die Triennale des Museums für zeitgenössische Kunst in New York, die einen Überblick über das künstlerische Treiben der kommenden Generation geben soll, beschäftigt sich ausdrücklich mit der digitalen Transformation unseres Lebens.

Das ist zunächst einmal nahe liegend, wenn man nach einem Thema sucht, das junge Kunst heute zwangsläufig verbindet. Die Künstler der New Museum-Triennale sind grob um die 30, sie sind „digital natives“. Sie kennen nichts anderes, als ein global vernetztes Leben und in irgendeiner Form hat es zwangsläufig einen Einfluss auf ihr Schaffen.

Das Ausmaß, in dem sie sich explizit damit beschäftigen, ist allerdings hoch unterschiedlich. Die Kuratoren versprechen zwar zu zeigen, wie die neue Generation auf ihre Dauervernetzung reagiert. „Surround Audience“ heißt die Show, was darauf anspielen soll, dass wir uns Non-Stop durch einen undurchdringlichen digitalen Mediendickicht bewegen. Doch nicht alle der gezeigten Werke haben zu dieser Tatsache auch etwas Interessantes zu sagen.

Wenn etwa die 27 Jahre alte transsexuelle New Yorkerin Juliana Huxtable eine 3D Skulptur von sich ausdruckt, ist das unverkennbar als Kommentar auf die Konstruktion von Identität im Internetzeitalter zu lesen. Was allerdings genau dazu gesagt werden soll, bleibt eher opak.

Noch wörtlicher wird die digitale Umzingelung von Daniel Steegmann Mangrane genommen, der dem Besucher eine „Okulus“ Brille aufzieht und ihn durch einen virtuellen  Raum tapsen lässt. Die digitale Umzingelung ist perfekt, reflektiert wird sie jedoch nicht.

Der Eindruck setzt sich durch die gesamte Ausstellung fort. Da ist, so scheint es, eine neue Künstlergeneration, die sich ihrer grundsätzlichen digitalen Verfasstheit überaus bewusst ist. Man versucht, irgendwie darauf zu reagieren und damit umzugehen. Doch es bleibt vorerst eher ein Tasten und Suchen. Eine wirkliche Sprache hat man für diese künstlerische Epoche noch nicht gefunden.

Das Tastende, Suchende ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass die neue Generation gegenüber den verwendeten Medien eher agnostisch ist. Es wird ebenso mit verschiedenen Video-Techniken  gearbeitet, wie mit Tanz und Performance, es gibt

Installationen aus gemischten Materialien und Collagen sowie klassische Malerei und natürlich einen üppigen Einsatz der neuen Technologien. Anything goes, wenn es darum geht, einen Ausdruck für Dasein in der Epoche der sozialen Netzwerke zu finden.

Einen der explizitesten Kommentare auf unsere Zeit gibt noch Josh Kline mit seiner Installation „Freedom“ ab. Auf einem Plasma-Bildschirm sehen wir eine animierte Video-Maske von Barack Obama bei seiner Amtsantrittsrede 2009. Bei genauem Hinschauen ist es jedoch der Künstler der dort spricht, der Text der Rede ist verändert. Im Vordergrund stehen roboterhafte Polizeifiguren mit eingebauten Bildschirmen, von denen Nachrichten aus den vergangenen sechs Jahren im Hashtag-Format verlesen werden. Der gesamte Raum ist dem Zuccotti Park nachempfunden, der vorübergehenden New Yorker Heimat der Occupy Bewegung. Es ist ein bissiger Kommentar auf Hoffnung und Realität der Obama Jahre, auf digitale Überwachung und die Untentrinnbarkeit des kapitalistischen Vermarktungsapparats.

Das sind die Themen, die Surround Audience ansprechen wollte. „In einer kurzen Zeit hat sich die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten rastisch verändert“, sagt die Kuratorin Lauren Cornell. „Mehr und mehr Facetten unseres Lebens sind mit Online Plattformen verschmolzen , sind als Datenpunkte kartografiert worden, monetarisiert und uns als authentische menschliche Erfahrung zurück gespeist worden.“

Das sind Umstände, die eine ernsthafte künstlerische Reflexion verdienen. Es ist lobenswert, dass junge Künstler sich daran versuchen, auch wenn viele dieser Versuche noch so wirken, als bemühe man sich ungelenk in dieser neuen digitalen Welt gehen zu lernen. 

Freitag, 27 Februar 2015

Herumtapsen im digitalen Dickicht

Posted in email aus New York

Die Triennale des New Museum of Contemporary Art

Ein Gang durch das New Yorker New Museum ist dieser Tage ein wenig so, als surfe man für eine Stunde oder so wahllos durch das Internet.

Da ist im Eingangsbereich ein Video mit einem informellen Chat zwischen Künstlern und Kuratoren über Kunst und das Kuratieren. Dann taucht man im Treppenhaus in einen ambienten elektronischen Club-Sound ein. Als Nächstes findet man sich vor einer Leinwand, auf der eine Obama-Rede läuft. Und wenn man weiter geht, findet man sich plötzlich in einem 3D Dschungel wieder.

Das Gefühl des Durchklickens durch die Ausstellungsräume, einem Impuls nach dem anderen folgend, ist wohl beabsichtigt. Die Triennale des Museums für zeitgenössische Kunst in New York, die einen Überblick über das künstlerische Treiben der kommenden Generation geben soll, beschäftigt sich ausdrücklich mit der digitalen Transformation unseres Lebens.

Das ist zunächst einmal nahe liegend, wenn man nach einem Thema sucht, das junge Kunst heute zwangsläufig verbindet. Die Künstler der New Museum-Triennale sind grob um die 30, sie sind „digital natives“. Sie kennen nichts anderes, als ein global vernetztes Leben und in irgendeiner Form hat es zwangsläufig einen Einfluss auf ihr Schaffen.

Das Ausmaß, in dem sie sich explizit damit beschäftigen, ist allerdings hoch unterschiedlich. Die Kuratoren versprechen zwar zu zeigen, wie die neue Generation auf ihre Dauervernetzung reagiert. „Surround Audience“ heißt die Show, was darauf anspielen soll, dass wir uns Non-Stop durch einen undurchdringlichen digitalen Mediendickicht bewegen. Doch nicht alle der gezeigten Werke haben zu dieser Tatsache auch etwas Interessantes zu sagen.

Wenn etwa die 27 Jahre alte transsexuelle New Yorkerin Juliana Huxtable eine 3D Skulptur von sich ausdruckt, ist das unverkennbar als Kommentar auf die Konstruktion von Identität im Internetzeitalter zu lesen. Was allerdings genau dazu gesagt werden soll, bleibt eher opak.

Noch wörtlicher wird die digitale Umzingelung von Daniel Steegmann Mangrane genommen, der dem Besucher eine „Okulus“ Brille aufzieht und ihn durch einen virtuellen  Raum tapsen lässt. Die digitale Umzingelung ist perfekt, reflektiert wird sie jedoch nicht.

Der Eindruck setzt sich durch die gesamte Ausstellung fort. Da ist, so scheint es, eine neue Künstlergeneration, die sich ihrer grundsätzlichen digitalen Verfasstheit überaus bewusst ist. Man versucht, irgendwie darauf zu reagieren und damit umzugehen. Doch es bleibt vorerst eher ein Tasten und Suchen. Eine wirkliche Sprache hat man für diese künstlerische Epoche noch nicht gefunden.

Das Tastende, Suchende ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass die neue Generation gegenüber den verwendeten Medien eher agnostisch ist. Es wird ebenso mit verschiedenen Video-Techniken  gearbeitet, wie mit Tanz und Performance, es gibt

Installationen aus gemischten Materialien und Collagen sowie klassische Malerei und natürlich einen üppigen Einsatz der neuen Technologien. Anything goes, wenn es darum geht, einen Ausdruck für Dasein in der Epoche der sozialen Netzwerke zu finden.

Einen der explizitesten Kommentare auf unsere Zeit gibt noch Josh Kline mit seiner Installation „Freedom“ ab. Auf einem Plasma-Bildschirm sehen wir eine animierte Video-Maske von Barack Obama bei seiner Amtsantrittsrede 2009. Bei genauem Hinschauen ist es jedoch der Künstler der dort spricht, der Text der Rede ist verändert. Im Vordergrund stehen roboterhafte Polizeifiguren mit eingebauten Bildschirmen, von denen Nachrichten aus den vergangenen sechs Jahren im Hashtag-Format verlesen werden. Der gesamte Raum ist dem Zuccotti Park nachempfunden, der vorübergehenden New Yorker Heimat der Occupy Bewegung. Es ist ein bissiger Kommentar auf Hoffnung und Realität der Obama Jahre, auf digitale Überwachung und die Untentrinnbarkeit des kapitalistischen Vermarktungsapparats.

Das sind die Themen, die Surround Audience ansprechen wollte. „In einer kurzen Zeit hat sich die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten rastisch verändert“, sagt die Kuratorin Lauren Cornell. „Mehr und mehr Facetten unseres Lebens sind mit Online Plattformen verschmolzen , sind als Datenpunkte kartografiert worden, monetarisiert und uns als authentische menschliche Erfahrung zurück gespeist worden.“

Das sind Umstände, die eine ernsthafte künstlerische Reflexion verdienen. Es ist lobenswert, dass junge Künstler sich daran versuchen, auch wenn viele dieser Versuche noch so wirken, als bemühe man sich ungelenk in dieser neuen digitalen Welt gehen zu lernen. 

Montag, 23 Juni 2014

Kara Walker in Williamsburg

Posted in email aus New York

Das Kunstspektakel des Sommers

Im Hip-Viertel Williamsburg findet derzeit das Kunstspektakel des Sommers statt und an diesem Sonntag habe ich es endlich geschafft, auch den Weg nach Brooklyn anzutreten, um mitreden zu können.

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