Freitag, 21 August 2015

Gebt mir einen Helden

Posted in email aus New York

David Simons' neues TV Drama

Barack Obama hat sich für den Rest seiner letzten Amtszeit viel vorgenommen, der US Präsident möchte noch so viele Initiativen, wie nur irgend möglich, auf den legislativen Weg bringen bevor er das Weiße Haus räumen muss. Zu den Dingen, die ihm am meisten am Herzen liegen, gehört eine Strafrechtsreform, die beginnt, die Monstrosität zu korrigieren, dass US Gefängnisse mit vorwiegend afroamerikanischen Bagatell- Delinquenten überquellen.

Um der Initiative Gewicht und Glaubwürdigkeit zu verleihen lud Obama David Simon zu einem ausführlichen Gespräch ein, das aufgezeichnet und dann per youtube verbreitet wurde.  Der Schöpfer der Erfolgs-TV Serien „The Wire“ und „Treme“ ist schon lange  dem Status eines gewöhnlichen Fernsehproduzenten entwachsen. Der ehemalige Journalist, Romanautor und Drehbuchschreiber ist eine moralische Instanz in Amerika.

Den Stellenwert hat sich Simon erarbeitet, indem er in seinen Produktionen mit tiefer Sachkenntnis und aktivistischer Leidenschaft die großen Probleme Amerikas angeht, jene Probleme, vor denen das Land ansonsten gerne die Augen verschließt. In „The Wire“ war es der dysfunktionale „Krieg gegen Drogen“, der in Wirklichkeit ein Krieg gegen die schwarze Unterschicht des Landes ist, in „Treme“ war es das komplette Versagen des Staates nach Hurricane Katrina in New Orleans. Und jetzt hat sich Simon gemeinsam mit Regisseur Paul Haggis mit einer Mini-Serie auf dem Bezahlkanal HBO eines neuen brennenden Themas angenommen.

„Show Me a Hero“ nimmt in sechs einstündigen Episode einen wenig bekannten Vorgang in der jüngeren amerikanischen Geschichte unter die Lupe. Die Serie führt den Zuschauer in das Jahr 1987 in die Kleinstadt Yonkers, am nördlichen Stadtrand von New York unmittelbar an der Grenze zur Bronx gelegen. Das Thema ist die strenge Rassentrennung der Wohngebiete, ein Thema von dem man gemeinhin glauben sollte, dass es in den 80er Jahren längst überwunden war.

Doch das war es nicht und ist es bis heute nicht. Die strenge Trennung der Wohngebiete nach Rasse hat in amerikanischen Städten bis heute ein schockierendes Ausmaß. Integrierte Wohnviertel sind noch immer die Ausnahme. Und dort wo, wie in Yonkers in den 80er Jahren, der Staat versucht, diesen Missstand zu verändern, stößt er auf erbitterten Widerstand.

„Show me a Hero“ erzählt die Geschichte des unglücklichen Bürgermeisters von Yonkers, Nick Wasicsko, der Mitte der 80er Jahre zwischen die Fronten eines hässlichen Rassenkonflikts geriet. Ein Bundesrichter hatte angeordnet, das Gesetz gegen Rassentrennung in Yonkers zur Anwendung zu bringen und staatlich subventionierte Wohneinheiten für die beinahe ausschließlich schwarze Unterschicht in weiße Wohngebiete zu bauen.

Doch Yonkers rebellierte. Die Furcht vor Kriminalität und Drogen, vor allem aber wohl davor, Tür an Tür mit der schwarzen Unterschicht leben zu müssen, zeigte ihre hässliche Fratze. Stadtverordnete gingen lieber ins Gefängnis und riskierten den Bankrott von Yonkers, als das Projekt zu erlauben. Es gab Straßenschlachten und Politiker, die dem Bau zustimmten, mussten sich Morddrohungen gefallen lassen.

Simon hat sich die Rechte an dem Buch  „Show Me a Hero“ über die Kämpfe in Yonkers damals bereits vor 15 Jahren gesichert. Andere Projekte haben ihn daran gehindert, das Material früher umzusetzen. Doch die Serie könnte in gewissem Sinn zu keinem besseren Zeitpunkt kommen.

„Show me a Hero“ geht an de Wurzeln der Rassenkonflikte, die heute wieder die USA erschüttern. Systematische Polizeigewalt und Masseninhaftierung sind ohne die Ghettobildung in den amerikanischen Großstädten nicht zu denken. „Diese Ghettobildung“, sagte David Simon jüngst in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, „war kein Zufall oder keine Anomalie. Sie war systematisch und staatlich gewollt.“

„Show me a Hero“ zeigt die enormen Widerstände gegen die Auflösung schwarzer Elendsquartiere, die sich bis heute im ganzen Land regen. Der Film erinnert aber auch an die Ursprünge dieser Ghettobildung: Der Zuweisung getrennter Bezirke für die schwarze Bevölkerung seit Beginn des 20. Jahrhunderts und die gewollte Verelendung dieser Quartiere. I

In schwarzen Wohngegenden in Yonkers und überall im Land waren sozialer Aufstieg praktisch unmöglich – staatlich geförderte Hypotheken etwa, wie sie während des New Deal der weißen Unterschicht zur Verfügung gestellt wurden, waren nicht zu haben. Stattdessen wurden die Ärmsten von windigen Kreditgebern ausgequetscht. Weil sie nirgendwo anders hinziehen konnten, hatten sie keine Wahl, als sich das gefallen zu lassen. Das schwarze Ghetto wurde unentrinnbar.

Das Thema wird bis heute nur ungern angefasst. Eine große Reportage des schwarzen Journalisten Ta Nehisi Coates hat es im vergangenen Jahr erstmals auf die nationale Tagesordnung gesetzt. Und wirklich zuhören mag man bis heute nicht. Die Einschaltquoten für „Show Me a Hero“ waren am Eröffnungsabend eher mager. Aber es besteht Hoffnung: Bislang haben alle Serien von David Simon erst in ihrem Nachleben als DVD oder auf den verschiedenen Streaming-Diensten ihre große Wirkung entfaltet. 

Mittwoch, 19 August 2015

Straight Outta Compton

Posted in email aus New York

Die Aktualität von Gangster Rap

Die Premiere von Straight Outta Compton war zweifellos das Top-Event des Freitagabends an der 125ten Straße, der Hauptschlagader durch Harlem. Die Menschen standen rund um den Block Schlange, um im Magic Johnson Multiplex ein Ticket für das zweieinhalb Stunden Epos über die legendäre Hip Hop Crew NWA (Niggaz with an Attitude) zu ergattern. Vor dem Kino verteilten Bürgerrechtsgruppen in T-Shirts, auf denen „Revolution“ stand, Flugzettel für Demonstrationen gegen Polizeigewalt, junge Zuschauer, die zur Blütezeit von NWA Ender der 80er Jahre vermutlich noch Kleinkinder waren, freuten sich darauf, „etwas über unsere Geschichte zu lernen“, wie auf der Straße zu hören war.

Doch Harlem war keine Ausnahme. Straight Outta Compton nahm am ersten Wochenende USA-weit 60 Millionen Dollar ein, der Streifen, von den Mitgliedern der Gruppe selbst produziert, ist dabei, der Kassenhit des Sommers zu werden.  Entgegen jeder konventionellen Hollywood-Weisheit hat es ein politischer Film mit einer speziellen schwarzen Thematik mitten in den Mainstream geschafft.

 Der Grund dafür wird gleich in der Eröffnungsszene deutlich. Wir sind im Los Angeles des Jahres 1986, im Wohnzimmer eines Hauses des Schwarzenghettos Compton werden reichlich Drogen konsumiert. Dann heulen die Polizeisirenen, Hubschrauberrotoren wummern über dem Viertel. Ein Panzerwagen fährt mit aufgepflanztem Rammbock auf das Haus zu und reißt die Außenwand ein, bevor ein Trupp bis an die Zähne bewaffneter Cops die Bewohner unsanft in Haft nehmen.

Die Szene hätte sich genauso gut in Ferguson im Jahr 2014 zutragen können. Der Film „Straight Outta Compton“  erzählt nicht nur die Erfolgsgeschichte von NWA, deren Protagonisten Dr. Dre, Ice Cube und Snoop Dogg zu Superstars der Hip Hop Szene wurden. Er erinnert vor allem auch an die Wurzeln ihrer Kunst im Belagerungszustand schwarzer Wohnviertel  durch eine militarisierte Polizeimacht – ein Thema, das vor fast 30 Jahren ebenso aktuell war wie heute.

NWA galten als Begründer des Gangsta-Rap, jenem Rap-Genre, das sich in der populären Auffassung vor allem für seine vermeintliche Glorifizierung von Gewalt, Sex, Drogen und Bandenkriminalität festsetzte. Der Film Straight Outta Compton ruft den Kontext in Erinnerung, aus dem der Gangster-Rap entsprang und macht deutlich, dass seine sozio-kulturelle Bedeutung weit über das Propagieren des Gang-Lebensstil hinaus geht.

Straight Outta Compton räumt der damaligen Kontroverse um den Song „Fuck the Police“ einen großen Raum ein, einem Stück, das offen zu Gewalt gegen die Polizei aufruft. „Ich bin ein Nigga auf dem Kriegspfad und wenn ich fertig bin, wird es ein Blutbad geben, von toten Cops auf den Straßen von LA“ rappt da Dr. Dre.

Der Film zeigt wie der Song aus der Alltagserfahrung der NWA auf den Straßen von Compton entstand, aus der ständigen Bedrohung durch schikanöse Polizeigewalt. Und er zeigt die Versuche der Staatsmacht, NWA, die sich stolz auch „die gefährlichste Band Amerikas“ nannten, mundtot zu machen. Das FBI ermittelte seinerzeit gegen NWA, Konzerte wurden gestürmt und abgebrochen und die Bandmitglieder verhaftet und Politiker jeglicher Couleur empörten sich über die Obszönität und die Verherrlichung von Gewalt.

So wurden im Jahr 1991, als die Straßen von LA nach der Brutalisierung von Rodney King durch die Polizei in Flammen aufgingen und 53 Menschen starben, nicht zuletzt auch NWA verantwortlich gemacht. Der Gangster-Rap und die Hymne Fuck the Police, so hieß es, hätteen unnötig den Zorn und die Gewaltbereitschaft auf den Straßen geschürt.

Die Antwort der Gangster Rapper auf solche Vorwürfe war stets dieselbe. Sie sahen sich als Sprachrohr des schwarzen Ghettos. NWA und Gruppen wie Public Enemy oder 2 Live Crew hätten lediglich die Sprache der Straße zur Kunst gemacht und der schwarzen Minderheit in den Ghettos somit Gehör verschafft. So prägte Chuck D. von Public Enemy seinerzeit das berühmte Zitat, dass Hip Hop das „schwarze CNN“ sei, ein gesungener Nachrichtendienst, der Amerika von der Lebenswirklichkeit in Compton, Harlem und der Bronx berichtete, weil es niemand anders tat.

Die Tatsache, dass sich das schwarze Publikum in der Kunst der Gangster Rapper wieder erkannte war sicherlich eine der Grundlagen ihres Erfolgs. Doch der weiße Mainstream wollte nicht zuhören. Während Musikfans den neuen Ton aufregend fanden und den NWA Mitgliedern zu Ruhm und Reichtum verhalfen, konnten sich Politik und Mainstream – Medien nie mit dem Gangster Rap anfreunden.

So änderte sich auch an den Zuständen in den schwarzen Ghettos nichts. Man wollte Stimmen wie die von NWA nicht hören, man wollte den schwarzen Zorn über systematischen alltäglichen Rassismus nicht ernst nehmen.

Der Gangster Rap selbst driftete nach den 90er Jahren mitunter tatsächlich  in die reine Glorifizierung von Gewalt, Sex und Drogen ab, doch die Probleme blieben. Und so hört heute ganz Amerika zu, wenn NWA aus der fernen Vergangenheit „Fuck the Police“ in einen sensibilisierten öffentlichen Raum schreien.

Dabei ist es nicht so, als hätten NWA keine zeitgenössischen Nachfolger. Künstler wie Kendrick Lamar, J. Cole oder D’Angelo haben den Stab aufgenommen und nehmen zur unveränderten Lage in den Schwarzenvierteln  und zur Polizeigewalt ebenso unverblümt Stellung, wie ihre Vorgänger. Doch ihr Ton ist weniger zornig  sondern resignierter, müder, depressiver. Und wer wollte ihnen das verdenken. 

Sonntag, 09 August 2015

Ein Jahr nach Ferguson

Posted in email aus New York

Amerika schaut in den Spiegel

Man hatte es nicht schwer als Reporter in Ferguson in den Tagen nach dem 9. August 2014. Die Menschen der mehrheitlich schwarzen Vorstadt von St. Louis  ließen sich nicht bitten,  ihre Geschichten zu erzählen. Ganz im Gegenteil, es sprudelte nur so aus ihnen heraus, so dankbar waren sie, dass man ihnen endlich  zuhört.

So, wie etwa der 30 Jahre alte Darren Seals, ein Nachbar von Michael Brown - jenes Teenagers, der an jenem verhängnisvollen Nachmittag des 9.8. von Polizeioffizier Darren Wilson mit 12 Schüssen nieder gestreckt wurde. „Das war kein Unfall“, sagte Darren Seals. „Das ist unser Alltag hier.“ Jeder, der in Ferguson aufgewachsen ist, so Seals, ist eng vertraut mit willkürlicher, schikanöser Polizeigewalt.

Deshalb wollten die Einwohner von Ferguson auch keine Ruhe geben. Sie gingen auf die Straße, Abend für Abend und mit ihnen zunehmend auch Menschen in anderen Städten der USA.  Auch der martialische Aufmarsch der Staatsgewalt mit Panzerwagen und Gefechtsausrüstung brachte sie nicht davon ab.  Man hatte zu lange nichts gesagt. Jetzt war es genug.

Die Standhaftigkeit der Menschen von Ferguson, ihr offen zur Schau gestellter Trotz, ließ die Nation aufhorchen, ja die ganze Welt. Die unverhohlene Verzweiflung und der Zorn nicht nur über eindeutig rassistisch motivierte Polizeigewalt, sondern über einen institutionellen Rassismus, der noch immer das Leben von Millionen von Afroamerikanern bestimmt, rüttelte ein Land auf, das sich nach der Wahl von Obama zum Präsidenten noch immer in einem postrassischen Paradies wähnte.

Natürlich gab es sie auch schon vor Ferguson die Stimmen, die trotz Obama einen tief sitzenden, schier unausrottbaren Rassismus in den USA beklagten. Doch sie blieben meistens marginal, wurden als radikal und extrem abgetan. Zu einer schonungslosen nationalen Selbstreflexion, wie der, die seit Ferguson eingesetzt hat, hatte es nie gereicht.

Dabei hätte die Nation schon lange vor Ferguson in den Spiegel schauen können, wenn sie nur gewollt hätte. So veröffentlichte die Soziologin Michelle Alexander im Jahr 2010 ein in Intellektuellenkreisen viel beachtetes Buch mit dem Titel „The New Jim Crow“. Darin behauptet sie provokativ, dass es Schwarzen in den USA nicht besser, sondern schlechter geht, als vor der Bürgerrechtsbewegung. Das alte Apartheids-System des Südens, im Volksmund „Jim Crow“ genannt, hat sich lediglich neue Bahnen gesucht.

Als Beleg nahm Alexander etwa die schockierenden Inhaftierungszahlen der Afro-Amerikaner, die „weit über der Zahl der schwarzen Sklaven vor dem Bürgerkrieg“ liegen. Sie nahm die Armuts- und Arbeitslosenziffern, die unter Afro-Amerikanern doppelt so hoch liegen als im nationalen Durchschnitt. Und sie sprach über die Ghetto-Bildung und die Perspektivlosigkeit der verzweifelten schwarzen Unterschicht, die durch eine brutale Staatsgewalt in ihren Bezirken gewaltsam im Zaum gehalten wird.

Doch die Nation wollte das nicht hören, man glaubte lieber an die Erzählung, die nicht zuletzt auch Barack Obama kolportierte, dass es zwar noch Dinge zu verbessern gäbe, dass die USA aber enorme Fortschritte in den Rassenbeziehungen gemacht habe. Der beste Beleg dafür, sei er selbst.

Es war die bequeme Betrachtung für den weißen Mainstream Amerikas. Wer behauptete, Amerika sei noch immer zutiefst rassistisch, wurde insbesondere aus der konservativen Ecke selbst als Rassist denunziert.  Wer weiter über Rassismus klagt, so die verquere Logik, verharre in einem längst überwundenem Denken von schwarz und weiß.

So wurden Fälle von eklatanter Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner auch als extreme Einzelfälle abgetan. Als im Jahr 2012 der unbewaffnete Teenager Ramarley Graham in der Bronx in seinem eigenen Badezimmer von Polizisten erschossen wurde, schaffte es der Vorfall nicht einmal in die nationalen Nachrichten. Der  darauf folgende Protest gegen die systematische Polizeiwillkür in New York unter dem Vorwand der öffentlichen Ordnung und Sicherheit blieb ebenfalls ein lokales Thema.

Durch den Tod von Michael Brown und die Proteste danach ließ sich das Problem der systematischen Polizeigewalt im Land jedoch nicht mehr leugnen. Alleine in den vier Wochen vor der Erschießung von Brown starben in den USA mindestens vier Afroamerikaner durch wahllose, unbegründete staatliche Gewaltanwendung  Im Schein der Feuer von Ferguson ließen diese Fälle sich nicht mehr unter den Teppich kehren.

Seither hat sich die Selbstwahrnehmung Amerikas dramatisch gewandelt. In diesem Juli glaubten bei einer Umfrage 68 Prozent der Amerikaner, dass es um  die Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß im Land schlecht bestellt sei. Kurz nach der Amtsübernahme Obamas glaubten ebenso viele Amerikaner, dass das Verhältnis zwischen den Rassen gut sei. 80 Prozent glauben heute, dass sich die Rassenbeziehungen verschlechtern oder zumindest nicht verbessern.

Auch die Obama-Regierung selbst beginnt sich immer stärker für die Themen zu engagieren, die dem schwarzen Amerika auf der Seele brennen. Bis Ferguson scheute sich der erste schwarze Präsident noch davor, von der Wählerschaft als Verfechter schwarzer Partikularinteressen wahrgenommen zu werden. Seither spricht er eine immer deutlichere Sprache.

So sagte Obama nach Ferguson, dass Michael Brown auch sein Sohn hätte sein können. Nach dem jüngsten Massaker in einer Kirche in South Carolina besuchte er eine schwarze Kirche in Charleston und stimmte mit der Gemeinde eine Hymne an – eine Geste, die er noch ein Jahr zuvor nicht gewagt hätte, weil sie ein klares Bekenntnis zu seiner kulturellen Identität als Schwarzer war. Und in Washington setzt er sich nun massiv für eine Reform des Gefängniswesens und des Strafrechtssystems ein, das als maßgeblicher Hemmschuh für die Integration der schwarzen Unterschicht gesehen wird.

So hat Amerika nach Ferguson  erstmals seit den 60er Jahren die Chance wirklich etwas zu verändern. Die Hoffnung, dass das wirklich möglich ist, hält sich angesichts der Größe der Aufgabe jedoch in Grenzen. So erklärte etwa der schwarze Journalist Ta-Nehisi Coates in seinen gerade erschienen Memoiren, die zum Bestseller wurden, dass er an Amerika verzweifele. Das Land und die Unterdrückung seiner schwarzen Minderheit, glaubt Coates, ließen sich nicht voneinander trennen. Und doch haben schwarz und weiß in den USA keine andere Wahl, als miteinander irgendwie zurecht zu kommen.

Samstag, 13 Dezember 2014

Amerika erwacht aus der Schockstarre

Posted in email aus New York

Nach Ferguson, Staten Island und dem CIA Folterbericht gerät das amerikanische Selbstbild ins Wanken

Amerikas Selbstbewusstsein galt bislang als einzigartig unerschütterlich. Keine Pleite  im Irak oder in Afghanistan, kein Abrutschen ins Mittelmaß im internationalen Vergleich der Bildungsstandards, keine Statistiken über das Verschwinden sozialer Mobilität vermochten das Gefühl anzukratzen, dass man immer noch „number one“ ist, der Anführer der freien Welt.

Montag, 08 Dezember 2014

Zur Polizeigewalt

Posted in email aus New York

Warum Ferguson und Staten Island keine Unfälle sind

Man konnte es sich kaum verkneifen innerlich zu Lachen, als die Politiker hierzulande ihre Reaktionen  auf die nun endlich unübersehbare Polizeigewalt gegen die schwarze Unterschicht im Land verkündeten. Die Polizei solle besser ausgebildet und sensibilisiert werden, es sollen Kameras an Uniformen montiert werden und das Justizministerium will prüfen, ob da Bürgerrechte verletzt wurden. Als gäbe es da etwas zu prüfen.

Freitag, 28 November 2014

Früchte des Zorns

Posted in email aus New York

Die lange Geschichte des schwarzen Nihilismus' in Amerika

http://www.fr-online.de/politik/rassismus-desillusion-in-den-usa.html

Es war ein peinlicher Augenblick für Don Lemon, den schwarzen Reporter, den das TV Netzwerk CNN in dieser Woche nach Ferguson entsandt hatte, um authentisch und empathisch von den Frontlinien der Rassenunruhen zu berichten.

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