Dienstag, 07 Juni 2016

Roots

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Neuauflage des Sklavendramas für die Black Lives Matter Epoche

Snoop Dogg war noch nie einer, der ein Blatt vor den Mund genommen hat, der Rapper aus South Central L.A. hat seine gesamte Karriere darauf aufgebaut, genau so zu reden, wie er denkt. In dem Video, mit dem er zu Beginn dieser Woche sein Instagram Konto bestückte, war Dogg jedoch selbst für seine Verhältnisse auffallend unverblümt.

„Ich werde mir heute Abend kein verdammtes Roots anschauen“, sagte er seiner Fangemeinde, „ich habe die Schnauze voll von dieser Scheiße. Ich will mir nicht mehr anschauen müssen wie Nigger wie Hunde behandelt werden. Ist das die einzige Art, in der wir erfolgreich sein können, zu zeigen, wie wir vor ein paar Hundert Jahren misshandelt wurden?“

Snoops Tirade bezog sich auf den Fernseh-Vierteiler „Roots“, der am nationalen Helden-Gedenktag der USA anlief und die Woche über mehr und mehr Amerikaner vor die TV- und Computerbildschirme zog. Die Einschaltquoten erreichten zwar nicht die Rekordzahlen des Originals, das 1977 beinahe die Hälfte der amerikanischen Haushalte erreichte. Doch auch das Remake bewegte spürbar das Land. Sechs Millionen schauten jeden Abend hin – für das Zeitalter des Internetfernsehens eine beachtliche Zahl.

Die ursprüngliche Serie, die das Schicksal des Sklaven Kunta Kinte nach dem Buch von Alex Haley erzählte, war seinerzeit mehr als nur ein TV-Ereignis. Die Serie löste in Amerika einen kulturellen Erdrutsch aus. Zum ersten Mal wurde das Land schonungslos mit der Nase auf die grausame Realität der Sklaverei gestoßen, die ebenfalls erstmals aus der Sicht der Opfer dargestellt wurde.

Alle Rechtfertigungen und Romantisierungen, wie etwa in rassistischen Schnulzen wie „Vom Winde Verweht“, fielen beiseite und das Land schaffte es nicht, weg zu schauen. Man war gebannt wie bei dem Anblick eines Zugunglücks. „Vorher war Sklaverei eine Abstraktion“, erinnert sich die schwarze Journalistin Ashley Weatherford, die damals in der fünften Klasse war. „Erst durch Roots wurde das volle Ausmaß der Brutalität, der mentalen und emotionalen Zerstörung bewusst.“

Doch 2016 hat sich das politisch-kulturelle Umfeld gewandelt. Die pure Anerkennung schwarzen Leids reicht schon lange nicht mehr aus. Der Diskurs über Rasse ist um ein Vielfaches komplexer und raffinierter geworden. Die Black Lives Matter Bewegung hat die Aufmerksamkeit auf Polizeigewalt und Masseninhaftierung als moderne Modulationen der Sklaverei gelenkt. Die fortgesetzte wirtschaftliche Diskriminierung ist auf der nationalen Tagesordnung.

In den Medien ist man schon lange nicht mehr dankbar, wenn Schwarze überhaupt außerhalb klischierter Rollen vorkommen. Während der letzten Oscars wurde der Mangel an schwarzen Filmen, Regisseuren und Hauptdarstellern in der Vorauswahl beklagt. Über die Ausgrenzung von Filmen wie Chi-raq von Spike Lee und Straight Outta Compton über die Realität des heutigen schwarzen Amerika hagelte es Proteste. Preise gebe es nur, so die Kritik, wenn Schwarze als Opfer gezeigt werden, wie im Vorjahr 12 Years A Slave.

So entfachte die Wiederausstrahlung von Roots eine hitzige Debatte darüber, ob Darstellungen der Sklaverei in Amerika überhaupt noch einen Platz im öffentlichen Raum haben. Lässt man die nationale „Ur-Sünde“ am Besten hinter sich, indem man sie vergisst? Oder ist es nach wie vor notwendig, genau hin zu schauen und sich darauf zu besinnen.

Die Fraktion um Snoop Dogg glaubt, die Darstellung der Sklaverei komme einer Erneuerung des damaligen Missbrauchs durch die Machtstruktur gleich. „Sie wollen, dass wir das auf ewig in unseren Köpfen eingebrannt haben.“ Die neue Generation wolle jedoch kein Mitleid für vergangene Ungerechtigkeit sondern stattdessen Teilhabe und Gleichstellung.

Die Produzenten des Roots Re-Makes glauben hingegen, dass es nicht nur sinnvoll, sondern geradezu notwendig sei, die Serie, die einst Amerika aufrüttelte, neu aufzulegen. Die simple Logik von LeVar Burton, der weiland Kunta Kinte spielte sowie seines Partners Mark Wolper, war, dass dieser wichtige kulturelle Meilenstein einer neuen Generation zugänglich gemacht werden muss. „Meine Kinder werden kaum irgendeine Möglichkeit suchen, die alten VHS Kassetten anzuschauen“, so Wolper. „Und wenn, dann werden sie das Makeup, die Kostüme und die Kamera fürchterlich finden.“

So haben sie ein Sechs-Stunden-Epos für das 21. Jahrhundert geschaffen. Die Filmwelten sind farbenstärker und kontrastreicher – der Dschungel von Mali ist dichter, die fürchterliche Überfahrt Kintes auf dem Sklavenschiff noch unerträglicher, die Plantage in Virginia und die Figuren, die sie bevölkern eindringlicher und plastischer. Vor allem aber ist Kunta Kinte stolzer und kämpferischer als vor 40 Jahren, zweifellos ein Zugeständnis an das Zeitalter von  Black Lives Matter, das keinen passiv leidenden Helden mehr akzeptieren würde.

Die Geschichte bleibt jedoch dieselbe. Es ist die Geschichte des schwarzen Amerika, personifiziert in einer Familie: Die Geschichte der Entwurzelung und der versuchten Entmenschlichung, der Lebenswillen, Stolz und die Unzerstörbarkeit der Menschenwürde über Jahrhunderte getrotzt haben.

Der Fraktion von Snoop Dogg, die das nicht mehr sehen möchte, stehen reichlich Stimmen entgegen, welche die Aktualisierung für  wichtig halten. So findet etwa die schwarze Medienwissenschaftlerin Stephane Dunn, dass es nicht zu viele Darstellungen der Sklaverei in der Populärkultur gibt, sondern zu wenige. „Es gibt noch immer ein tiefes kulturelles Unbehagen, sich dem Thema wirklich zu stellen.“ 12 Years A Slave und der Toni Morrison Verfilmung Beloved zum Trotz, so Dunn, stünde Roots als das „tief schürfendste und aufrüttelndste dramatische Werk zu dem Thema“ alleine auf weiter Flur. Alleine deshalb verdiene es die Aktualisierung, die es jetzt erfährt.

So hat die Neuauflage von Roots bloß gelegt, dass Amerika noch immer um einen Weg ringt, mit der nationalen Schande der Sklaverei umzugehen. In einer Art und Weise nach vorne zu schauen, die den vollen Umfang der Abscheulichkeit anerkennt und dennoch nicht die Nation noch mehr spaltet als ohnehin, ist auch 40 Jahre nach der Erstausstrahlung nicht erkennbar. Aber immerhin scheint die Diskussion zunehmend unausweichlich – in Zeiten von Black Lives Matter mehr denn je.

   

Dienstag, 01 Dezember 2015

Eine Stadt im Aufruhr

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Baltimore im Jar 1 nach Freddy Gray

Die Stimmung in Baltimore ist angespannt in diesen Tagen.  Während vor dem Gerichtsgebäude der Stadt täglich Demonstranten auf und ab marschieren, hält sich die Nationalgarde des Staates Maryland bereit. Die Polizeipräsenz auf den Straßen ist so groß wie nie und der Polizeichef Kevin Davis hat mehrfach wiederholt, dass  es in diesen Wochen „um die Zukunft der gesamten Stadt“ geht.

Zu Beginn dieser Woche hat hier der Prozess gegen den Polizisten William Porter begonnen. Porter steht gemeinsam mit fünf Kollegen unter der Anklage, im Frühjahr dieses Jahres den 26-jährigen Freddie Gray ermordet zu haben.

Die sechs Polizeibeamten hatten am 19. April Freddie Gray unter Verdacht des Drogenhandels  verhaftet. Es kam zu Handgreiflichkeiten, schließlich wurde Gray in Handschellen und Fußfesseln auf die Ladefläche eines Polizeitransporters  geschmissen. Bei der folgenden Fahrt durch die Straßen von Baltimore wurde Gray derartig hin und her geschleudert, dass er sich das Genick brach. Wenige Tage später verstarb er im Krankenhaus.

Der Tod von Freddy Gray löste in Baltimore heftige Ausschreitungen aus. Gruppen von Demonstranten gegen Polizeigewalt zogen marodierend durch die Straßen, Geschäfte wurden geplündert und abgebrannt. Es kam zu Schießereien und Todesfällen. Die zivile Ordnung brach vollkommen zusammen.

Und auch seitdem ist Baltimore nicht zur Ruhe gekommen. Die rasche Mordanklage gegen die Polizisten, getrieben durch die schwarze Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake, vermochte zwar vorläufig die Gemüter zu beruhigen. Doch auf den Straßen von Baltimore ging bald die Gewalt weiter. „In allen Städten, in denen es in den vergangenen drei Jahren schwere Fälle von Polizeigewalt gab, gab es Proteste und Unruhen. Doch nirgends waren die Folgen so schwer und andauernd, wie in Baltimore“, schrieb in dieser Woche das New York Magazine.

Bis heute ist in Baltimore keine Ordnung wieder eingekehert. Die Polizei reagierte ursprünglich auf die heftigen Proteste und den Druck auf die Politik damit, dass sie sich zurückzog. Die Mord- und die allgemeinen Verbrechensraten schossen durch die Decke. Doch auch als die Polizei im Juli und August wieder ihre Arbeit aufnahm, wurde es scheinbar nicht besser. Zum Endes des Monats November gab es in diesem Jahr in Baltimore, einer Stadt von rund 622000 Einwohnern, mehr als 300 Morde.

Das Chaos ist umso erstaunlicher, als seit den Unruhen im April praktische alle gesellschaftlichen Kräfte versuchen, an einem Strang zu ziehen, um Baltimore zu befrieden. Die Polizei bemüht sich, die Beziehungen zu den Bürgern zu verbessern. Politik und Gemeindeanführer versuchen gemeinsam mit allen Mitteln der Straßengewalt Herr zu werden. Sogar Straßengangs wie die Crips und die Bloods helfen mit, in dem sie etwa Schulkinder auf dem Nachhauseweg betreuen.

Doch es scheint so, als hätte der Freddy Gray Fall ein ohnehin kaputtes  Gemeinwesen endgültig aus den Fugen gesprengt.  Baltimore ist seit Jahrzehnten eine Problemstadt. Sie hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der USA und eine der höchsten Armutsraten. Stadtverwaltung und Polizei gelten als notorisch korrupt.

Die Wurzeln liegen tief in der Geschichte. Baltimore ist einer der rassistischsten Städte des Nordens. Die Apartheid wurde hier von der Politik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezielt vorangetrieben. Die Ghettobildung war erwünscht. Das Verschwinden der Industriejobs in der Hafenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte die Verelendung. Massive Unruhen und Strassenschlachten in den 60er Jahren taten das Ihre. Seitdem sind die Schwarzenghettos fest in der Hand der Drogenbanden, das quasi-militärische Vorgehen der Polizei hat sie in kriegsähnliche Zonen verwandelt.

Der bevorstehende Prozess, der bis Weihnachten gehen soll, stellt das, was an Baltimore an ziviler Ordnung noch vorhanden ist, nun noch einmal auf die Probe. Doch selbst wenn die Stadt diese Probe übersteht, steht sie noch immer vor einem Berg schier unlösbarer Probleme.

Freitag, 20 November 2015

Ta-Nehisi Coates gewinnt den National Book Award

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Amerikas schlechtes Gewissen

Ta-Nehisi Coates fühlt sich offensichtlich nicht wohl in der Rolle, die ihm zugewiesen wird, der des „Erklärers des schwarzen Amerika“, wie er es jüngst bei einer Veranstaltung an einem schwarzen College in New York ausdrückte. Er mag es nicht, derjenige zu sein, der dem liberalen, weißen Mainstream die Befindlichkeit der afroamerikanischen Minderheit erläutert.

Und doch kommt der Essayist aus der Rolle nicht heraus. In dieser Woche wurde ihm der National Book Award verliehen, einer der prestigeträchtigsten Preise der amerikanischen Literatur. Gestiftet wird der Preis von der Vereinigung amerikanischer Verleger und Buchhändler. Coates erhielt die Auszeichnung für sein Buch „Between the World and Me“ – einem persönlichen Essay in Buchlänge darüber, was es bedeutet als schwarzer Mann in Amerika aufzuwachsen und zu leben.

Coates’ Dankbarkeit für die Auszeichnung hielt sich jedoch in Grenzen, es war ihm offensichtlich unbehaglich dabei vom weißen Kulturestablishment als Vorzeige-Bürgerrechtler herum gereicht zu werden. Und so nutzte er seine Dankesrede auch nicht zu Höflichkeiten. Stattdessen ließ er den Ballsaal in Washington einmal mehr seinen Zorn über den tief sitzenden, alles durchdringenden Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft spüren.

Coates widmete den Preis seinem Freund Prince Carmen Jones, einem Kommillitonen an der Howard University in Washington. Jones wurde am 1. September 2000 von einem verdeckt ermittelnden Polizisten erschossen. Man hatte ihn mit einem Verdächtigen in einer Drogenfahndung verwechselt. Doch Coates ließ den Tod des Freundes nicht einfach als Versehen durchgehen. Vielmehr sah er darin die Grundeinstellung in den USA, „dass Schwarze irgendwie eine Disposition zur Kriminalität haben.“ Und diese Grundeinstellung erlaube es ihm nicht, seinem Sohn  in die Augen zu schauen und ihm zu versichern, „dass alles gut wird, dass ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt wie sein Freund.“

Die Grundeinstellung in den USA, dass Afro-Amerikaner Kriminelle sind, ist auch das Thema von Coates’ letztem  Werk gewesen. In der Oktober-Ausgabe des Atlantic Monthly beschreibt er  in einem langen Aufsatz die Zerstörung afroamerikanischer Familienstrukturen durch die Praxis der Massen-Inhaftierung. Die Massen-Inhaftierung schwarzer Männer, so legt Coates in dem Stück ausführlich dar, macht es  faktisch für afroamerikanische Familien unmöglich, aus der Asozialität jemals heraus zu finden und produktive Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft zu sein.

Das Argument ist nicht neu, die Soziologin Michelle Alexander hat bereits vor zehn Jahren in Ihrem Buch „The New Jim Crow“ dar gelegt, dass die Praxis der Massen-Inhaftierung von Afro-Amerikanern ein Instrument ist, dass dazu dient, eine permanente schwarze Unterschicht zu bilden, die von der Teilhabe der amerikanischen Gesellschaft ausgeschlossen bleibt.

 Neu ist an Coates Stück vielmehr, wie detailreich er aufzeigt, dass sich die Kriminalisierung von Afro-Amerikanern zum Zweck der sozialen Kontrolle als roter Faden durch die gesamte amerikanische Geschichte zieht. Insbesondere der schwarze Mann war schon immer als potenzieller Vergewaltiger, Drogenabhängiger und Mörder stigmatisiert, vollkommen unabhängig von der Institution der Sklaverei.

Damit klagt Coates vor allem auch die vermeintlich liberalen Nordstaaten an. Im gesamten 20. Jahrhundert – und nicht erst seit dem „Krieg gegen die Drogen“, der in den 70er Jahren zur offiziellen Politik wurde und der zum heutigen „carceralen Staat“ führte, wie Coates ihn nennt -  wurde im Norden fleißiger verhaftet und Kriminalisiert als im Süden. Dort war die soziale Kontrolle durch das polizeilich abgesicherte Apartheids-System auch ohne das Wegsperren großer Bevölkerungsteile gewährleistet.

Die Argumentationsweise in Coates Aufsatz gleicht derjenigen in vorangegangenen Werken. In seinem letzten großen Stück im Atlantic hatte er die Ghetto-Bildung  in Amerika untersucht. Auch hier hatte er die systematische Exklusion der schwarzen Bevölkerung aus der amerikanischen Gesellschaft aufgezeigt. Zur Wohnsegregation kam der Ausschluss von staatlicher Wohnungsförderung. Schwarze Familien wurden Opfer von betrügerischen Kreditgebern und Vermietern. Der soziale Aufstieg, den seit den 40er Jahren die weiße Unter- und Mittelschicht massenhaft erfuhr, war für Afro-Amerikaner unmöglich.

So ist Ta-Nehisi Coates zur vielleicht unbequemsten schwarzen Stimme in Amerika geworden. Er untermauert seine Behauptung der systematischen, institutionellen Unterdrückung der Afro-Amerikaner mit gründlicher Recherche und unumstößlichen Fakten. Seine Klage, dass Amerika ein zutiefst rassistisches Regime ist, ist nur sehr schwer vom Tisch weg zu wischen.

Dass das Kulturestablishment ihn nun dennoch zu seinem Liebling erkoren hat verwundert Coates eher, als dass es ihm Genugtuung verschafft. „Ich wundere mich immer, warum weiße Leute überhaupt meine Bücher lesen.“  Die Plattform, die der Erfolg ihm bietet, nutzt Coates jedoch gerne – um unermüdlich seine Forderung nach Gerechtigkeit zu wiederholen. 

Freitag, 21 August 2015

Gebt mir einen Helden

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David Simons' neues TV Drama

Barack Obama hat sich für den Rest seiner letzten Amtszeit viel vorgenommen, der US Präsident möchte noch so viele Initiativen, wie nur irgend möglich, auf den legislativen Weg bringen bevor er das Weiße Haus räumen muss. Zu den Dingen, die ihm am meisten am Herzen liegen, gehört eine Strafrechtsreform, die beginnt, die Monstrosität zu korrigieren, dass US Gefängnisse mit vorwiegend afroamerikanischen Bagatell- Delinquenten überquellen.

Um der Initiative Gewicht und Glaubwürdigkeit zu verleihen lud Obama David Simon zu einem ausführlichen Gespräch ein, das aufgezeichnet und dann per youtube verbreitet wurde.  Der Schöpfer der Erfolgs-TV Serien „The Wire“ und „Treme“ ist schon lange  dem Status eines gewöhnlichen Fernsehproduzenten entwachsen. Der ehemalige Journalist, Romanautor und Drehbuchschreiber ist eine moralische Instanz in Amerika.

Den Stellenwert hat sich Simon erarbeitet, indem er in seinen Produktionen mit tiefer Sachkenntnis und aktivistischer Leidenschaft die großen Probleme Amerikas angeht, jene Probleme, vor denen das Land ansonsten gerne die Augen verschließt. In „The Wire“ war es der dysfunktionale „Krieg gegen Drogen“, der in Wirklichkeit ein Krieg gegen die schwarze Unterschicht des Landes ist, in „Treme“ war es das komplette Versagen des Staates nach Hurricane Katrina in New Orleans. Und jetzt hat sich Simon gemeinsam mit Regisseur Paul Haggis mit einer Mini-Serie auf dem Bezahlkanal HBO eines neuen brennenden Themas angenommen.

„Show Me a Hero“ nimmt in sechs einstündigen Episode einen wenig bekannten Vorgang in der jüngeren amerikanischen Geschichte unter die Lupe. Die Serie führt den Zuschauer in das Jahr 1987 in die Kleinstadt Yonkers, am nördlichen Stadtrand von New York unmittelbar an der Grenze zur Bronx gelegen. Das Thema ist die strenge Rassentrennung der Wohngebiete, ein Thema von dem man gemeinhin glauben sollte, dass es in den 80er Jahren längst überwunden war.

Doch das war es nicht und ist es bis heute nicht. Die strenge Trennung der Wohngebiete nach Rasse hat in amerikanischen Städten bis heute ein schockierendes Ausmaß. Integrierte Wohnviertel sind noch immer die Ausnahme. Und dort wo, wie in Yonkers in den 80er Jahren, der Staat versucht, diesen Missstand zu verändern, stößt er auf erbitterten Widerstand.

„Show me a Hero“ erzählt die Geschichte des unglücklichen Bürgermeisters von Yonkers, Nick Wasicsko, der Mitte der 80er Jahre zwischen die Fronten eines hässlichen Rassenkonflikts geriet. Ein Bundesrichter hatte angeordnet, das Gesetz gegen Rassentrennung in Yonkers zur Anwendung zu bringen und staatlich subventionierte Wohneinheiten für die beinahe ausschließlich schwarze Unterschicht in weiße Wohngebiete zu bauen.

Doch Yonkers rebellierte. Die Furcht vor Kriminalität und Drogen, vor allem aber wohl davor, Tür an Tür mit der schwarzen Unterschicht leben zu müssen, zeigte ihre hässliche Fratze. Stadtverordnete gingen lieber ins Gefängnis und riskierten den Bankrott von Yonkers, als das Projekt zu erlauben. Es gab Straßenschlachten und Politiker, die dem Bau zustimmten, mussten sich Morddrohungen gefallen lassen.

Simon hat sich die Rechte an dem Buch  „Show Me a Hero“ über die Kämpfe in Yonkers damals bereits vor 15 Jahren gesichert. Andere Projekte haben ihn daran gehindert, das Material früher umzusetzen. Doch die Serie könnte in gewissem Sinn zu keinem besseren Zeitpunkt kommen.

„Show me a Hero“ geht an de Wurzeln der Rassenkonflikte, die heute wieder die USA erschüttern. Systematische Polizeigewalt und Masseninhaftierung sind ohne die Ghettobildung in den amerikanischen Großstädten nicht zu denken. „Diese Ghettobildung“, sagte David Simon jüngst in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, „war kein Zufall oder keine Anomalie. Sie war systematisch und staatlich gewollt.“

„Show me a Hero“ zeigt die enormen Widerstände gegen die Auflösung schwarzer Elendsquartiere, die sich bis heute im ganzen Land regen. Der Film erinnert aber auch an die Ursprünge dieser Ghettobildung: Der Zuweisung getrennter Bezirke für die schwarze Bevölkerung seit Beginn des 20. Jahrhunderts und die gewollte Verelendung dieser Quartiere. I

In schwarzen Wohngegenden in Yonkers und überall im Land waren sozialer Aufstieg praktisch unmöglich – staatlich geförderte Hypotheken etwa, wie sie während des New Deal der weißen Unterschicht zur Verfügung gestellt wurden, waren nicht zu haben. Stattdessen wurden die Ärmsten von windigen Kreditgebern ausgequetscht. Weil sie nirgendwo anders hinziehen konnten, hatten sie keine Wahl, als sich das gefallen zu lassen. Das schwarze Ghetto wurde unentrinnbar.

Das Thema wird bis heute nur ungern angefasst. Eine große Reportage des schwarzen Journalisten Ta Nehisi Coates hat es im vergangenen Jahr erstmals auf die nationale Tagesordnung gesetzt. Und wirklich zuhören mag man bis heute nicht. Die Einschaltquoten für „Show Me a Hero“ waren am Eröffnungsabend eher mager. Aber es besteht Hoffnung: Bislang haben alle Serien von David Simon erst in ihrem Nachleben als DVD oder auf den verschiedenen Streaming-Diensten ihre große Wirkung entfaltet. 

Mittwoch, 19 August 2015

Straight Outta Compton

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Die Aktualität von Gangster Rap

Die Premiere von Straight Outta Compton war zweifellos das Top-Event des Freitagabends an der 125ten Straße, der Hauptschlagader durch Harlem. Die Menschen standen rund um den Block Schlange, um im Magic Johnson Multiplex ein Ticket für das zweieinhalb Stunden Epos über die legendäre Hip Hop Crew NWA (Niggaz with an Attitude) zu ergattern. Vor dem Kino verteilten Bürgerrechtsgruppen in T-Shirts, auf denen „Revolution“ stand, Flugzettel für Demonstrationen gegen Polizeigewalt, junge Zuschauer, die zur Blütezeit von NWA Ender der 80er Jahre vermutlich noch Kleinkinder waren, freuten sich darauf, „etwas über unsere Geschichte zu lernen“, wie auf der Straße zu hören war.

Doch Harlem war keine Ausnahme. Straight Outta Compton nahm am ersten Wochenende USA-weit 60 Millionen Dollar ein, der Streifen, von den Mitgliedern der Gruppe selbst produziert, ist dabei, der Kassenhit des Sommers zu werden.  Entgegen jeder konventionellen Hollywood-Weisheit hat es ein politischer Film mit einer speziellen schwarzen Thematik mitten in den Mainstream geschafft.

 Der Grund dafür wird gleich in der Eröffnungsszene deutlich. Wir sind im Los Angeles des Jahres 1986, im Wohnzimmer eines Hauses des Schwarzenghettos Compton werden reichlich Drogen konsumiert. Dann heulen die Polizeisirenen, Hubschrauberrotoren wummern über dem Viertel. Ein Panzerwagen fährt mit aufgepflanztem Rammbock auf das Haus zu und reißt die Außenwand ein, bevor ein Trupp bis an die Zähne bewaffneter Cops die Bewohner unsanft in Haft nehmen.

Die Szene hätte sich genauso gut in Ferguson im Jahr 2014 zutragen können. Der Film „Straight Outta Compton“  erzählt nicht nur die Erfolgsgeschichte von NWA, deren Protagonisten Dr. Dre, Ice Cube und Snoop Dogg zu Superstars der Hip Hop Szene wurden. Er erinnert vor allem auch an die Wurzeln ihrer Kunst im Belagerungszustand schwarzer Wohnviertel  durch eine militarisierte Polizeimacht – ein Thema, das vor fast 30 Jahren ebenso aktuell war wie heute.

NWA galten als Begründer des Gangsta-Rap, jenem Rap-Genre, das sich in der populären Auffassung vor allem für seine vermeintliche Glorifizierung von Gewalt, Sex, Drogen und Bandenkriminalität festsetzte. Der Film Straight Outta Compton ruft den Kontext in Erinnerung, aus dem der Gangster-Rap entsprang und macht deutlich, dass seine sozio-kulturelle Bedeutung weit über das Propagieren des Gang-Lebensstil hinaus geht.

Straight Outta Compton räumt der damaligen Kontroverse um den Song „Fuck the Police“ einen großen Raum ein, einem Stück, das offen zu Gewalt gegen die Polizei aufruft. „Ich bin ein Nigga auf dem Kriegspfad und wenn ich fertig bin, wird es ein Blutbad geben, von toten Cops auf den Straßen von LA“ rappt da Dr. Dre.

Der Film zeigt wie der Song aus der Alltagserfahrung der NWA auf den Straßen von Compton entstand, aus der ständigen Bedrohung durch schikanöse Polizeigewalt. Und er zeigt die Versuche der Staatsmacht, NWA, die sich stolz auch „die gefährlichste Band Amerikas“ nannten, mundtot zu machen. Das FBI ermittelte seinerzeit gegen NWA, Konzerte wurden gestürmt und abgebrochen und die Bandmitglieder verhaftet und Politiker jeglicher Couleur empörten sich über die Obszönität und die Verherrlichung von Gewalt.

So wurden im Jahr 1991, als die Straßen von LA nach der Brutalisierung von Rodney King durch die Polizei in Flammen aufgingen und 53 Menschen starben, nicht zuletzt auch NWA verantwortlich gemacht. Der Gangster-Rap und die Hymne Fuck the Police, so hieß es, hätteen unnötig den Zorn und die Gewaltbereitschaft auf den Straßen geschürt.

Die Antwort der Gangster Rapper auf solche Vorwürfe war stets dieselbe. Sie sahen sich als Sprachrohr des schwarzen Ghettos. NWA und Gruppen wie Public Enemy oder 2 Live Crew hätten lediglich die Sprache der Straße zur Kunst gemacht und der schwarzen Minderheit in den Ghettos somit Gehör verschafft. So prägte Chuck D. von Public Enemy seinerzeit das berühmte Zitat, dass Hip Hop das „schwarze CNN“ sei, ein gesungener Nachrichtendienst, der Amerika von der Lebenswirklichkeit in Compton, Harlem und der Bronx berichtete, weil es niemand anders tat.

Die Tatsache, dass sich das schwarze Publikum in der Kunst der Gangster Rapper wieder erkannte war sicherlich eine der Grundlagen ihres Erfolgs. Doch der weiße Mainstream wollte nicht zuhören. Während Musikfans den neuen Ton aufregend fanden und den NWA Mitgliedern zu Ruhm und Reichtum verhalfen, konnten sich Politik und Mainstream – Medien nie mit dem Gangster Rap anfreunden.

So änderte sich auch an den Zuständen in den schwarzen Ghettos nichts. Man wollte Stimmen wie die von NWA nicht hören, man wollte den schwarzen Zorn über systematischen alltäglichen Rassismus nicht ernst nehmen.

Der Gangster Rap selbst driftete nach den 90er Jahren mitunter tatsächlich  in die reine Glorifizierung von Gewalt, Sex und Drogen ab, doch die Probleme blieben. Und so hört heute ganz Amerika zu, wenn NWA aus der fernen Vergangenheit „Fuck the Police“ in einen sensibilisierten öffentlichen Raum schreien.

Dabei ist es nicht so, als hätten NWA keine zeitgenössischen Nachfolger. Künstler wie Kendrick Lamar, J. Cole oder D’Angelo haben den Stab aufgenommen und nehmen zur unveränderten Lage in den Schwarzenvierteln  und zur Polizeigewalt ebenso unverblümt Stellung, wie ihre Vorgänger. Doch ihr Ton ist weniger zornig  sondern resignierter, müder, depressiver. Und wer wollte ihnen das verdenken. 

Sonntag, 09 August 2015

Ein Jahr nach Ferguson

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Amerika schaut in den Spiegel

Man hatte es nicht schwer als Reporter in Ferguson in den Tagen nach dem 9. August 2014. Die Menschen der mehrheitlich schwarzen Vorstadt von St. Louis  ließen sich nicht bitten,  ihre Geschichten zu erzählen. Ganz im Gegenteil, es sprudelte nur so aus ihnen heraus, so dankbar waren sie, dass man ihnen endlich  zuhört.

So, wie etwa der 30 Jahre alte Darren Seals, ein Nachbar von Michael Brown - jenes Teenagers, der an jenem verhängnisvollen Nachmittag des 9.8. von Polizeioffizier Darren Wilson mit 12 Schüssen nieder gestreckt wurde. „Das war kein Unfall“, sagte Darren Seals. „Das ist unser Alltag hier.“ Jeder, der in Ferguson aufgewachsen ist, so Seals, ist eng vertraut mit willkürlicher, schikanöser Polizeigewalt.

Deshalb wollten die Einwohner von Ferguson auch keine Ruhe geben. Sie gingen auf die Straße, Abend für Abend und mit ihnen zunehmend auch Menschen in anderen Städten der USA.  Auch der martialische Aufmarsch der Staatsgewalt mit Panzerwagen und Gefechtsausrüstung brachte sie nicht davon ab.  Man hatte zu lange nichts gesagt. Jetzt war es genug.

Die Standhaftigkeit der Menschen von Ferguson, ihr offen zur Schau gestellter Trotz, ließ die Nation aufhorchen, ja die ganze Welt. Die unverhohlene Verzweiflung und der Zorn nicht nur über eindeutig rassistisch motivierte Polizeigewalt, sondern über einen institutionellen Rassismus, der noch immer das Leben von Millionen von Afroamerikanern bestimmt, rüttelte ein Land auf, das sich nach der Wahl von Obama zum Präsidenten noch immer in einem postrassischen Paradies wähnte.

Natürlich gab es sie auch schon vor Ferguson die Stimmen, die trotz Obama einen tief sitzenden, schier unausrottbaren Rassismus in den USA beklagten. Doch sie blieben meistens marginal, wurden als radikal und extrem abgetan. Zu einer schonungslosen nationalen Selbstreflexion, wie der, die seit Ferguson eingesetzt hat, hatte es nie gereicht.

Dabei hätte die Nation schon lange vor Ferguson in den Spiegel schauen können, wenn sie nur gewollt hätte. So veröffentlichte die Soziologin Michelle Alexander im Jahr 2010 ein in Intellektuellenkreisen viel beachtetes Buch mit dem Titel „The New Jim Crow“. Darin behauptet sie provokativ, dass es Schwarzen in den USA nicht besser, sondern schlechter geht, als vor der Bürgerrechtsbewegung. Das alte Apartheids-System des Südens, im Volksmund „Jim Crow“ genannt, hat sich lediglich neue Bahnen gesucht.

Als Beleg nahm Alexander etwa die schockierenden Inhaftierungszahlen der Afro-Amerikaner, die „weit über der Zahl der schwarzen Sklaven vor dem Bürgerkrieg“ liegen. Sie nahm die Armuts- und Arbeitslosenziffern, die unter Afro-Amerikanern doppelt so hoch liegen als im nationalen Durchschnitt. Und sie sprach über die Ghetto-Bildung und die Perspektivlosigkeit der verzweifelten schwarzen Unterschicht, die durch eine brutale Staatsgewalt in ihren Bezirken gewaltsam im Zaum gehalten wird.

Doch die Nation wollte das nicht hören, man glaubte lieber an die Erzählung, die nicht zuletzt auch Barack Obama kolportierte, dass es zwar noch Dinge zu verbessern gäbe, dass die USA aber enorme Fortschritte in den Rassenbeziehungen gemacht habe. Der beste Beleg dafür, sei er selbst.

Es war die bequeme Betrachtung für den weißen Mainstream Amerikas. Wer behauptete, Amerika sei noch immer zutiefst rassistisch, wurde insbesondere aus der konservativen Ecke selbst als Rassist denunziert.  Wer weiter über Rassismus klagt, so die verquere Logik, verharre in einem längst überwundenem Denken von schwarz und weiß.

So wurden Fälle von eklatanter Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner auch als extreme Einzelfälle abgetan. Als im Jahr 2012 der unbewaffnete Teenager Ramarley Graham in der Bronx in seinem eigenen Badezimmer von Polizisten erschossen wurde, schaffte es der Vorfall nicht einmal in die nationalen Nachrichten. Der  darauf folgende Protest gegen die systematische Polizeiwillkür in New York unter dem Vorwand der öffentlichen Ordnung und Sicherheit blieb ebenfalls ein lokales Thema.

Durch den Tod von Michael Brown und die Proteste danach ließ sich das Problem der systematischen Polizeigewalt im Land jedoch nicht mehr leugnen. Alleine in den vier Wochen vor der Erschießung von Brown starben in den USA mindestens vier Afroamerikaner durch wahllose, unbegründete staatliche Gewaltanwendung  Im Schein der Feuer von Ferguson ließen diese Fälle sich nicht mehr unter den Teppich kehren.

Seither hat sich die Selbstwahrnehmung Amerikas dramatisch gewandelt. In diesem Juli glaubten bei einer Umfrage 68 Prozent der Amerikaner, dass es um  die Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß im Land schlecht bestellt sei. Kurz nach der Amtsübernahme Obamas glaubten ebenso viele Amerikaner, dass das Verhältnis zwischen den Rassen gut sei. 80 Prozent glauben heute, dass sich die Rassenbeziehungen verschlechtern oder zumindest nicht verbessern.

Auch die Obama-Regierung selbst beginnt sich immer stärker für die Themen zu engagieren, die dem schwarzen Amerika auf der Seele brennen. Bis Ferguson scheute sich der erste schwarze Präsident noch davor, von der Wählerschaft als Verfechter schwarzer Partikularinteressen wahrgenommen zu werden. Seither spricht er eine immer deutlichere Sprache.

So sagte Obama nach Ferguson, dass Michael Brown auch sein Sohn hätte sein können. Nach dem jüngsten Massaker in einer Kirche in South Carolina besuchte er eine schwarze Kirche in Charleston und stimmte mit der Gemeinde eine Hymne an – eine Geste, die er noch ein Jahr zuvor nicht gewagt hätte, weil sie ein klares Bekenntnis zu seiner kulturellen Identität als Schwarzer war. Und in Washington setzt er sich nun massiv für eine Reform des Gefängniswesens und des Strafrechtssystems ein, das als maßgeblicher Hemmschuh für die Integration der schwarzen Unterschicht gesehen wird.

So hat Amerika nach Ferguson  erstmals seit den 60er Jahren die Chance wirklich etwas zu verändern. Die Hoffnung, dass das wirklich möglich ist, hält sich angesichts der Größe der Aufgabe jedoch in Grenzen. So erklärte etwa der schwarze Journalist Ta-Nehisi Coates in seinen gerade erschienen Memoiren, die zum Bestseller wurden, dass er an Amerika verzweifele. Das Land und die Unterdrückung seiner schwarzen Minderheit, glaubt Coates, ließen sich nicht voneinander trennen. Und doch haben schwarz und weiß in den USA keine andere Wahl, als miteinander irgendwie zurecht zu kommen.

Samstag, 13 Dezember 2014

Amerika erwacht aus der Schockstarre

Posted in email aus New York

Nach Ferguson, Staten Island und dem CIA Folterbericht gerät das amerikanische Selbstbild ins Wanken

Amerikas Selbstbewusstsein galt bislang als einzigartig unerschütterlich. Keine Pleite  im Irak oder in Afghanistan, kein Abrutschen ins Mittelmaß im internationalen Vergleich der Bildungsstandards, keine Statistiken über das Verschwinden sozialer Mobilität vermochten das Gefühl anzukratzen, dass man immer noch „number one“ ist, der Anführer der freien Welt.

Montag, 08 Dezember 2014

Zur Polizeigewalt

Posted in email aus New York

Warum Ferguson und Staten Island keine Unfälle sind

Man konnte es sich kaum verkneifen innerlich zu Lachen, als die Politiker hierzulande ihre Reaktionen  auf die nun endlich unübersehbare Polizeigewalt gegen die schwarze Unterschicht im Land verkündeten. Die Polizei solle besser ausgebildet und sensibilisiert werden, es sollen Kameras an Uniformen montiert werden und das Justizministerium will prüfen, ob da Bürgerrechte verletzt wurden. Als gäbe es da etwas zu prüfen.

Freitag, 28 November 2014

Früchte des Zorns

Posted in email aus New York

Die lange Geschichte des schwarzen Nihilismus' in Amerika

http://www.fr-online.de/politik/rassismus-desillusion-in-den-usa.html

Es war ein peinlicher Augenblick für Don Lemon, den schwarzen Reporter, den das TV Netzwerk CNN in dieser Woche nach Ferguson entsandt hatte, um authentisch und empathisch von den Frontlinien der Rassenunruhen zu berichten.

Donnerstag, 17 April 2014

Amerika - ein ewiges Apartheidsregime?

Posted in email aus New York

Eine neue Debatte um Rassenbeziehungen im Zeitalter von Obama

Gerade einmal sechs Jahre ist es her, dass Amerika sich an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter wähnte. Man hatte gerade den ersten schwarzen Präsidenten in das Weiße Haus gewählt und plötzlich schien alles möglich. Die Rassendiskriminierung, die schwerste Bürde der amerikanischen Geschichte, schien abgeschüttelt, die Rede von der post-rassischen Gesellschaft machte die Runde.

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