Donnerstag, 30 Juli 2015

Staycation

Posted in email aus New York

Urlaub in der Stadt

 In der vergangenen Woche sind wir Abends nach Feierabend über die Brooklyn Bridge gelaufen. Wir haben uns in DuMBo, dem post-industriellen Hip-Stadtteil auf der anderen Seite des East River  im Supermarkt ein paar Snacks besorgt und haben mit Blick auf das untere Manhattan und den alten Hafen am Flußufer die Abendstimmung genossen. Dann gab es noch ein Eis an der Lände, bevor wir mit der Fähre wieder den Lichtern der Großstadt  auf der anderen Flußseite entgegen gefahren sind.

Es war erstaunlich belebt am Brooklyner Flußufer, die Menschen sind zu Tausenden dort hinunter gekommen, um die Stimmung an diesem perfekten Sommerabend zu genießen. Viele sind noch bis Mitternacht geblieben um im neuen Brooklyn Bridge Park  nach Sonnenuntergang noch einen Science Fiction Streifen zu sehen.

Wie immer, wenn wir solche Dinge unternehmen, fragen wir uns, warum wir das nicht öfter machen. Aus dem Alltagstrott ausbrechen, aus den immer gleichen Wegen durchs eigene Viertel und zur Arbeit, diese großartige Stadt genießen. Staycation machen, wie die New Yorker sagen, einen Urlaub ohne weg zufahren.

Ich habe keine statistischen Beweise dafür, aber ich habe den Eindruck, als würden viele New Yorker in diesem Jahr Staycation machen. Die Stadt wirkt weit weniger von Touristen dominiert als sonst. Open Air Konzerte, Freiluft-Kino, Theater im Park scheinen durchweg überlaufen. Beim ersten Konzert einer Open Air-Serie im Brooklyner Prospect Park kam man schon drei Stunden vor Konzertbeginn nicht mehr auf das abgegrenzte Konzertgelände, die Picknicker breiteten sich über den gesamten Bürgergarten aus.

Vielleicht ist es ja der relative milde Sommer, der die New Yorker dazu bewegt, die eigene Stadt zu genießen, anstatt aufwändige Tripsnach Europa oder Asien zu unternehmen. Die echten „Dog days“ an denen der Asphalt flimmert und die Kinder im Strahl aufgedrehter Hydranten spielen konnte man bislang einer Hand abzählen.

Vielleicht ist auch der wirtschaftliche Aufschwung nicht das, was die Konjubktur-Zahlen des Wirtschaftsministeriums behaupten. Wie dem auch sei, in meinem Bekanntenkreis machen die meisten bestenfalls einen „Micro-Holiday“ auf Long Island oder in den Adirondacks nahe der kanadischen Grenze. Einige wenige fahren mit dem Kindern zu den Großeltern  im Mittleren Westen oder in Kalifornien.

Wir fahren nächste Woche für ein langes Wochenende nach Pennsylvania, um zu wandern, zu Radln und im Delaware River zu planschen. Im Herbst geht’s vielleicht noch eine Woche in die Blue Ridge Mountains in North Carolina. Ansonsten muss es ein bisschen Staycationing tun. Und ehrlich gesagt, reicht das auch völlig.

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