Dienstag, 05 August 2014

Schlechte Nachrichten

Posted in email aus New York

Die US Zeitungsbranche mit neuen Hiobsbotschaften

Jack Griffin gab sich alle Mühe am Montag Zuversicht auszustrahlen. Es macht sich schließlich nicht gut, wenn man mit hängenden Schultern an einen neuen Job geht, schon gar nicht, wenn man mit dem Neubeginn Investoren motivieren möchte.

Von einem frischen Start und einer Chance war in Chicago beim Amtsantritt von Griffin als Chef der neu geschaffenen Tribune Publishing Company die Rede. Den Zeitungen der Verlagsgruppe, zu der so renommierte Traditionsblätter wie der Chicago Tribune oder die Los Angeles Times gehören, stehe eine lange, erfolgreiche Zukunft bevor, sagte Griffin.

Hinter vorgehaltener Hand waren die Kommentare zur Geburt der Tribune Publishing Company allerdings ein wenig gedämpfter. Der Launch der Firma, die ab sofort an der Börse gehandelt wird, ist in Wirklichkeit die Auslagerung der Print Produkte aus dem Unterhaltungs-Konzern Tribune. Reed Phillips, ein Finanzanalyst für die Medienbranche, behauptete zwar in der New York Times, der Schritt ermögliche dem Management des Zeitungskonzerns, sich besser auf die Bedürfnisse der Print-Produkte zu konzentrieren. Skeptiker vermuteten dahinter jedoch etwas wesentlich finstereres.

So sprach die Kommentatorin des Wirtschafts-Portals Fox Business aus, was viele Branchenkenner dachten. Bei der Auslagerung des defizitären Print Bereichs gehe es darum, den Rest des Konzerns von dem Sog der toxischen Betriebe zu schützen. Die ständigen Verluste der Zeitungen drücken auf die Börsen-Notierung des Gesamt-Unternehmens. Deshalb schneidet man sie vom Mutterschiff ab und lässt sie alleine auf hoher See um ihr Überleben kämpfen.

Alleine die nackten Zahlen sprechen für diese Einschätzung. Im ersten Quartal 2014 verdiente die Druck-Division der Tribune Company 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Laut Ken Doctor vom Medienforschungsinstitut Nieman Lab, haben die Zeitungen des Hauses in den vergangenen fünf Jahren überhaupt nur durch Entlassungen und Kürzungen überlebt.

Seit der Übernahme durch den Immobilienmogul Sam Zell und der kurz darauf folgenden Insolvenz, ringt die Tribune Company erbittert um ihr Leben. Die neue Strategie, glaubt Doctor, sei nun jedoch lediglich ein Zwischenschritt zur weiteren Aufsplittung und zum Ausverkauf.

Für die Branche insgesamt ist die Entwicklung auch deshalb alarmierend, weil es sich mittlerweile um einen Trend handelt. Tribune ist nun schon der dritte Medien-Konzern, der seinen Print Bereich auslagert. Vorangegangen waren Time Inc., die Herausgeber des altehrwürdigen Nachrichtenmagazins Time und News Corp. von Rupert Murdoch mit Titeln wie dem Wall Street Journal. All das bedeutet nicht Gutes für die Journalisten dieser Häuser: „Die Print-Abteilungen sind nun direkt für ihre eigenen Schulden verantwortlich", so Ken Doctor. „Und so lange die Erlöse schrumpfen, werden sie diese Schulden nur durch weitere Kürzungen und Entlassungen ausgleichen können."

Zu diesen trüben Nachrichten passten auch die Meldungen, die in der vergangenen Woche aus New York zu vernehmen waren. Die New York Times musste einen Rückgang von 4,1 Prozent ihrer Anzeigenerlöse im zweiten Quartal vermelden. Die Druck-Anzeigen schrumpften dabei um 6,6 Prozent, was bedeutet, dass die stabilen digitalen Umsätze auch weiterhin den freien Fall im Druckbereich nicht auffangen können.

Als unmittelbare Gegenmaßnahme überlegt man nun an der 42ten Straße, eine abgespeckte, billigere New York Times auf den Markt zu bringen. Sie würde auf wenigen Seiten dem Leser auf dem Weg zur U-Bahn die wichtigsten Themen des Tages mit auf den Weg geben und ihm gleichzeitig Zugang zum digitalen Content verschaffen. Das klingt nach einer cleveren Maßnahme. Eine Marktwende wird sie jedoch gewiss nicht bewirken.

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