Donnerstag, 05 Juni 2014

Nach Hurricane Sandy:

Posted in email aus New York

New York schützt sich gegen steigende Meeresspiegel und lernt dabei von den Holländern

Die Flutwellen, die Hurricane Sandy im Oktober 2012  an die Küste des amerikanischen Nordostens spülte, trafen die Stadt New York praktisch unvorbereitet. In den Straßen des südlichen Manhattans stand innerhalb von Minuten meterhoch das Wasser. Die U-Bahn Schächte wurden geflutet, Kraftwerke am East River explodierten. In Brooklyn rollte eine Wand aus Wasser durch das Stadtviertel Red Hook und ließ den Anwohnern keine Chance, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Katastrophe, die am Ende den Steuerzahler mehr als 65 Milliarden Dollar kostete, brachte ans Tageslicht, was Kritiker schon jahrelang bemängelt hatten. Die Stadt New York und mit ihr die gesamte Region hatten vor den Risiken steigender Wasserpegel einfach die Augen verschlossen. Flutschutz in New York gab es praktisch nicht, Bürgermeister Bloomberg hatte darauf spekuliert, dass die Reparatur von Schäden billiger ist, als vorbeugende Maßnahmen.

Sandy änderte diese Gleichung und machte außerdem Bundesmittel verfügbar, um die Optionen für nachhaltigen Flutschutz im Zeitalter des Klimawandels auszuloten. Nun, zu Beginn der Hurricane Saison 2014, hat New York seinen Plan zum Schutz vor den zweifellos immer häufiger auftretenden Hochwasser-Katastrophen in einer Stadt vorgestellt, die beinahe 900 Kilometer Küste hat.

Der Plan des Design-Teams BIG ist kühn, er wird das Gesicht von Manhattan verändern. BIG will um die besonders gefährdete südliche Hälfte von Manhattan einen 16 Kilometer langen Ring von Anlagen legen, welche die Infrastruktur der Stadt und die Bewohner bei zu erwarteten Flutwellen von bis zu acht Metern schützt.

Das Projekt ist bislang für Nordamerika einzigartig. Es nimmt Abschied von der Philosophie, sich gegen Hochwasser zu schützen, indem man versucht es mit teuren Bewehrungsanlagen wie Fluttoren oder Deichen aus der Stadt heraus zu halten. Stattdessen wird im unteren Manhattan eine Zone am Fluss entlang geschaffen, in der konstruktiv mit einem möglichen Wassereinbruch gearbeitet wird.

Anstatt eine Flutschutz-Infrastruktur zu schaffen, die von der Stadt abgetrennt ist, wird der Anlagenring um das untere Manhattan in das Gewebe der jeweiligen Viertel integriert. Es werden Parks entstehen, die als Flutzonen fungieren. Unter der Stadtautobahn entlang des East River werden Flutklappen installiert, die von Künstlern aus der Nachbarschaft gestaltet werden. Es entstehen Fahrradwege auf Stelzen und Pavillions, die geflutet werden können, in nicht-katastrophalen Zeiten jedoch als „urbanes Wohnzimmer“ für die Bürger fungiert.

Diese Art des intelligenten Katastrophenschutzes ist revolutionär für die USA. Und so ist er auch gedacht. Obamas Bundesminister für Wohnen und Stadtentwicklung Shaun Donovan wurde nach Sandy explizit dazu beauftragt nach neuen kreativen Lösungen zu suchen, um das Land gegen die wachsende Gefahr von bedrohlichen Naturereignissen in Zeiten des Klimawandels zu schützen. Die New Yorker Lösung ist bei diesem Unternehmen ein Pilotprojekt, das später auf andere Städte und Küstenregionen übertragen werden soll.

Um sich für diese Aufgabe inspirieren zu lassen, reiste Donovan schon sechs Wochen nach Sandy nach Holland und nahm mit Henk Ovink Kontakt auf, dem Leiter des dortigen Büros für Raumplanung und Wasser-Management. Ovink zeigte Donovan die vorbildlichen holländischen Anlagen, die beiden Männer verstanden sich und Ovink wurde auf der Stelle als Berater für die US Regierung angeheuert.

Der Design-Wettbewerb um den New Yorker Flutschutz war eine der ersten Aufgaben für Ovink. Wenn sich in den kommenden Jahren die Manhattaner Flussufer verändern haben die New Yorker es ihm zu verdanken. Das New Yorker Projekt dürfte allerdings eines der einfachste für Ovink gewesen sein. New Yorker sind im allgemeinen gegenüber neuen Ideen überaus aufgeschlossen.

In anderen Gegenden ist das anders. Bei Vorschlägen für regionale Flut-Planung in New Jersey musste sich Ovink schon mit europhoben Angriffen und Vorwürfen des „Sozialismus“ auseinander setzen. Die Region zu schützen, anstatt nur das eigene Haus, war kaum vermittelbar.

Doch Dononvan bleibt über die Kooperation optimistisch. „Die Leute werden schon verstehen, dass sie langfristig keine andere Wahl haben.“ Ein gelungenes Projekt in Manhattan könnte bei dieser Überzeugungsarbeit überaus hilfreich sein.

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