Donnerstag, 19 Juni 2014

Laverne Cox

Posted in email aus New York

Die neue Ikone der amerikanischen Transsexuellen

Laverne Cox ist eine beeindruckende Erscheinung. Beinahe einen Meter 90 ist die schwarze Schauspielerin groß, ihr blond gefärbtes Haar fällt samtig um die muskulösen Schultern. Ihre langen Wimpern betonen ihre großen, tiefbraunen Augen und ihre dicken sinnlichen Lippen glänzen wenn sie in ihrer rauen, erotischen Stimme zu sprechen beginnt.

In den vergangenen Tagen ist in den amerikanischen Medien viel von Laverne Cox zu sehen. So prangte sie in ihrer ganzen Pracht vom Cover des Time Magazine. Das New York Times Magazine brachte ein ausführliches Interview mit ihr und beinahe jeden Abend war die langbeinige Schönheit in irgendeiner Talk-Show zu sehen und zu hören.

Cox ist der Star von „Orange is the New Black“, der Kult-TV-Serie des Streaming Dienstes Netflix, deren zweite Staffel an diesem Samstag ihre von den Fans sehnsüchtig erwartete Premiere feiert. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Amerika derzeit verrückt nach der Schauspielerin aus Alabama ist. Laverne Cox ist so etwas wie die amerikanische Conchita Wurst. Ihr emphatisches Bekenntnis zu ihrer Transsexualität hat sie zu einer Ikone der Transsexuellen in den USA gemacht, zur Vorsprecherin einer Bevölkerungsgruppe, die wie kaum eine andere in den USA noch immer unter Diskriminierung und Gewalt zu leiden hat.

Cox’ Status als Gesicht der transsexuellen Minderheit war quasi in ihrer Glanzrolle als Sophia Burset in   „Orange ist he New Black“  angelegt. Sophia Burset ist eine transsexuelle Insassin in einem Frauengefängnis in New York. Burset wurde des Kreditkartenbetrugs überführt, den sie beging, um ihre Geschlechtsumwandlung finanzieren zu können. Sie ist von schlechtem Gewissen gegenüber ihrer Ex-Frau und ihrem Sohn geplagt fühlt sich jedoch gleichzeitig offenkundig wohl in ihrer neuen Haut. Unter ihren Mithäftlingen ist sie wohl gelitten und beliebt.

Die Serie hat Cox zum Superstar gemacht, nachdem sie sich vorher mit Nebenrollen und einem Auftritt in der Reality-Show „TransForm me“ durchgeschlagen hatte. Nun nutzt Cox ihre derzeitigen 15 Minuten im Rampenlicht der Nation, um mit der ganzen Wucht ihrer Persönlichkeit auf die Lage der Transsexuellen aufmerksam zu machen.

So rührte sie erst jüngst auf dem Sofa der Talk-Show Legende Katie Couric ein Millionenpublikum zu Tränen als sie darum bat, die Fixierung auf die Geschlechtsumwandlung von Transsexuellen aufzugeben und stattdessen die menschlichen Tragödien dahinter zu sehen. „Wir sind mehr als jede andere Gruppe in Amerika Opfer von Gewalt und Diskriminierung. Unsere Arbeitslosenrate ist doppelt so hoch wie beim Rest der Bevölkerung, ebenso die Rate der Mordopfer unter uns. Doch wir können nie über diese Dinge reden, weil man sich immer nur auf die Genitalien konzentriert.“

Die Botschaft des flammenden Appells ist angekommen, die nationalen Medien haben die Debatte aufgegriffen. Time Magazine nannte in einer ausführlichen Titelgeschichte die Lage der Transsexuellen das „wichtigste Bürgerrechtsthema unserer Zeit.“ Mit Frauen wie Cox, so TIME, „rücken Transsexuelle von den Rändern der Gesellschaft in den Blickpunkt und fordern ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft.“

Der Kampf um Anerkennung und gegen Diskriminierung, angeführt von charismatischen Figuren wie Laverne Cox, ist laut Time dringend überfällig. 80 Prozent transsexueller Jugendlicher geben in de USA an, in der Schule schikaniert zu werden. 90 Prozent der Erwachsenen sagen, dass sie in der Arbeitswelt diskriminiert werden. Schockierende 40 Prozent der Transsexuellen in den USA versuchen oder begehen Selbstmord.

Um die Situation Transsexueller in den USA zu verdeutlichen erzählt Laverne Cox gerne die Geschichte von Islan Nettles, einer transsexuellen Frau, die im vergangenen Sommer zu Tode geprügelt wurde. Eine Gruppe jugendlicher hatten ihr auf der Straße hinterher gepfiffen. Als sie realisierten, dass Nettles Trans ist schlug die Belästigung in Gewalt um. „Das ist unsere Realität“, sagt Cox.

Immerhin haben die Staaten Maryland, Maine und Kalifornien bereits Gesetze gegen die Diskriminierung von Transsexuellen erlassen. Transsexuelle dürfen dort nicht mehr an der Nutzung von Toiletten und Umkleideräumen gehindert werden und Schüler dürfen an Sportarten als Angehörige jenes Geschlechts teilnehmen, das sie für sich als das Richtige erachten. Doch all das ist erst ein Anfang.

Wie weit der Weg noch ist zeigte in dieser Woche ein Editorial in der Chicago Sun Times, in dem ein Redakteur schrieb, Laverne Cox werde für ihn immer ein Mann bleiben, egal was sie sagt. Die Redaktion musste schließlich auf öffentlichen Druck hin eine Gegendarstellung drucken.

Laverne Cox nahm zu dem Vorfall keine Stellung. Sie konzentrierte sich bei ihren vielen öffentlichen Auftritten lieber auf das Positive. „Ich will mich nicht als Vorbild sehen“, sagte sie zu Katie Couric. „Aber ich denke, dass ich den Transsexuellen in Amerika zeigen kann, was es für Möglichkeiten gibt, im Einklang mit seiner Identität etwas aus sich zu machen.“

Laverne Cox hat viel aus sich gemacht. Und die Tatsache, dass das in den heutigen USA möglich ist, darf der transsexuellen Minderheit im Land Mut machen.

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