Freitag, 27 Februar 2015

Herumtapsen im digitalen Dickicht

Posted in email aus New York

Die Triennale des New Museum of Contemporary Art

Ein Gang durch das New Yorker New Museum ist dieser Tage ein wenig so, als surfe man für eine Stunde oder so wahllos durch das Internet.

Da ist im Eingangsbereich ein Video mit einem informellen Chat zwischen Künstlern und Kuratoren über Kunst und das Kuratieren. Dann taucht man im Treppenhaus in einen ambienten elektronischen Club-Sound ein. Als Nächstes findet man sich vor einer Leinwand, auf der eine Obama-Rede läuft. Und wenn man weiter geht, findet man sich plötzlich in einem 3D Dschungel wieder.

Das Gefühl des Durchklickens durch die Ausstellungsräume, einem Impuls nach dem anderen folgend, ist wohl beabsichtigt. Die Triennale des Museums für zeitgenössische Kunst in New York, die einen Überblick über das künstlerische Treiben der kommenden Generation geben soll, beschäftigt sich ausdrücklich mit der digitalen Transformation unseres Lebens.

Das ist zunächst einmal nahe liegend, wenn man nach einem Thema sucht, das junge Kunst heute zwangsläufig verbindet. Die Künstler der New Museum-Triennale sind grob um die 30, sie sind „digital natives“. Sie kennen nichts anderes, als ein global vernetztes Leben und in irgendeiner Form hat es zwangsläufig einen Einfluss auf ihr Schaffen.

Das Ausmaß, in dem sie sich explizit damit beschäftigen, ist allerdings hoch unterschiedlich. Die Kuratoren versprechen zwar zu zeigen, wie die neue Generation auf ihre Dauervernetzung reagiert. „Surround Audience“ heißt die Show, was darauf anspielen soll, dass wir uns Non-Stop durch einen undurchdringlichen digitalen Mediendickicht bewegen. Doch nicht alle der gezeigten Werke haben zu dieser Tatsache auch etwas Interessantes zu sagen.

Wenn etwa die 27 Jahre alte transsexuelle New Yorkerin Juliana Huxtable eine 3D Skulptur von sich ausdruckt, ist das unverkennbar als Kommentar auf die Konstruktion von Identität im Internetzeitalter zu lesen. Was allerdings genau dazu gesagt werden soll, bleibt eher opak.

Noch wörtlicher wird die digitale Umzingelung von Daniel Steegmann Mangrane genommen, der dem Besucher eine „Okulus“ Brille aufzieht und ihn durch einen virtuellen  Raum tapsen lässt. Die digitale Umzingelung ist perfekt, reflektiert wird sie jedoch nicht.

Der Eindruck setzt sich durch die gesamte Ausstellung fort. Da ist, so scheint es, eine neue Künstlergeneration, die sich ihrer grundsätzlichen digitalen Verfasstheit überaus bewusst ist. Man versucht, irgendwie darauf zu reagieren und damit umzugehen. Doch es bleibt vorerst eher ein Tasten und Suchen. Eine wirkliche Sprache hat man für diese künstlerische Epoche noch nicht gefunden.

Das Tastende, Suchende ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass die neue Generation gegenüber den verwendeten Medien eher agnostisch ist. Es wird ebenso mit verschiedenen Video-Techniken  gearbeitet, wie mit Tanz und Performance, es gibt

Installationen aus gemischten Materialien und Collagen sowie klassische Malerei und natürlich einen üppigen Einsatz der neuen Technologien. Anything goes, wenn es darum geht, einen Ausdruck für Dasein in der Epoche der sozialen Netzwerke zu finden.

Einen der explizitesten Kommentare auf unsere Zeit gibt noch Josh Kline mit seiner Installation „Freedom“ ab. Auf einem Plasma-Bildschirm sehen wir eine animierte Video-Maske von Barack Obama bei seiner Amtsantrittsrede 2009. Bei genauem Hinschauen ist es jedoch der Künstler der dort spricht, der Text der Rede ist verändert. Im Vordergrund stehen roboterhafte Polizeifiguren mit eingebauten Bildschirmen, von denen Nachrichten aus den vergangenen sechs Jahren im Hashtag-Format verlesen werden. Der gesamte Raum ist dem Zuccotti Park nachempfunden, der vorübergehenden New Yorker Heimat der Occupy Bewegung. Es ist ein bissiger Kommentar auf Hoffnung und Realität der Obama Jahre, auf digitale Überwachung und die Untentrinnbarkeit des kapitalistischen Vermarktungsapparats.

Das sind die Themen, die Surround Audience ansprechen wollte. „In einer kurzen Zeit hat sich die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten rastisch verändert“, sagt die Kuratorin Lauren Cornell. „Mehr und mehr Facetten unseres Lebens sind mit Online Plattformen verschmolzen , sind als Datenpunkte kartografiert worden, monetarisiert und uns als authentische menschliche Erfahrung zurück gespeist worden.“

Das sind Umstände, die eine ernsthafte künstlerische Reflexion verdienen. Es ist lobenswert, dass junge Künstler sich daran versuchen, auch wenn viele dieser Versuche noch so wirken, als bemühe man sich ungelenk in dieser neuen digitalen Welt gehen zu lernen. 

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