Donnerstag, 18 September 2014

Floyd Bennett Field

Posted in email aus New York

Reise ans äußerste Ende der Stadt

Eigentlich hatte ich mir schon den ganzen Sommer über eine Reise zum Floyd Bennett Field am äußersten Ende von Brooklyn vorgenommen, doch irgendwie ist es bislang nicht dazu kommen. Am vergangenen Sonntag habe ich es nun endlich geschafft.

Eigentlich hatte ich mir schon den ganzen Sommer über eine Reise zum Floyd Bennett Field am äußersten Ende von Brooklyn vorgenommen, doch irgendwie ist es bislang nicht dazu kommen. Am vergangenen Sonntag habe ich es nun endlich geschafft.

Das Floyd Bennett Field ist ein vergessener Ort in den Sümpfen der südlichen Küste von Long Island, unmittelbar gegenüber des legendären Bürger-Strandes Coney Island. Ich kenne kaum einen Platz in New York, der so bezaubernd ist.

Gerade im heutigen New York wird Verfall kaum mehr geduldet. Hier draußen, etwa 25 Kilometer Luftlinie vom Times Square, darf er noch sein.

Das Floyd Bennett Field, war in den 30er Jahren der erste städtische Flughafen von New York, lange vor La Guardia und JFK. Erste Transkontinental-Flüge starteten von hier aus, Amelia Earhardt und John Hughes unternahmen ihre kühnen Rekordflüge von hier.

Im Krieg war Floyd Bennett ein wichtiger Militärflughafen, insbesondere Missionen gegen deutsche U-Boote, die damals regelmäßig an der Küste auftauchten wurden von hier aus geflogen. Ende der 60er Jahre wurde Floyd Bennett dann endgültig still gelegt.

Seither sprießt das Gras aus den immer breiter werdenden Ritzen des Rollfeldes. Das alte Terminal steht noch stolz aber verwaist an der vierspurigen Schnellstraße, die von hier aus weiter nach Far Rockaway führt. Von den alten Hangars blättert der Putz, die Lettern an ihrer Außenwand sind verwaschen.

Der Flugplatz ist zum Nationalpark ernannt worden. Man kann hier durch die Sümpfe wandern und sogar Campen. Es ist der einzige Campingplatz auf dem Gebiet einer amerikanischen Großstadt.

Die beliebteste Nutzung sind jedoch die Radrennen, die den gesamten Sommer über hier auf dem Rollfeld stattfinden.

Zwei Mal pro Woche treten die Rennfahrer der Stadt die Pilgerschaft hier heraus an, kämpfen sich über die Manhattan Bridge und durch den dichten Verkehr der Flatbush Avenue bis hier heraus. Diese Pilgerschaft durch die exotischen karibischen und arabischen Viertel von Brooklyn, in die man sonst nie kommen würde, ist so sehr Teil des Floyd Bennett Erlebnis wie das Rennen selbst.

Das Rennen ist  Sport in seiner reinsten Form. Es wird eine Glocke für die Rundenzählung aufgestellt, zwei Kampfrichter gehen in Stellung und los geht’s. Ein paar Dutzend Radfahrer, die sich auf dem verwitterten Belag in der steifen Atlantikbrise eine Stunde lang bis aufs Blut bekämpfen. Keine Zuschauer, keine Streckensprecher, kein Ruhm außer dem Respekt der Konkurrenten.

Mein Mitradler Harry Zernike hat darüber einen wunderbaren Kurzfilm gedreht, den man hier sehen kann.

Immer wieder, wenn ich dort raus fahre, nehme ich mir vor, das öfters zu machen.

Vielleicht klappt’s ja im kommenden Jahr.

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