Dienstag, 11 Februar 2014

Die Beatles in Amerika

Posted in email aus New York

Vor 50 Jahren traten die Beatles erstmals in den USA auf und starteten damit ihre Weltkarriere

Robin Lyn kann sich nur noch an wenige Details von diesem Nachmittag vor genau 50 Jahren, dem 9. Februar 1964, erinnern, „irgendwie ist alles verschwommen", sagte sie jüngst einem Reporter der Radio-Station WNYC. Sie weiß noch, dass sie ein rosafarbenes Kleid angezogen hatte und dass es kalt war in New York. Sie kann sich daran erinnern, dass sie gehechelt und gestöhnt hat und dass Paul da war. Und dann war alles ganz rasch vorbei.

Lyn war 15 Jahre alt damals und einer der glücklichen Teenager, der eine der 728 Karten für die Ed Sullivan Show, einer Unterhaltungssendung des US-Netzwerkes CBS, bekommen hatte. Mehr als 50,000 hatten es probiert, ein Ansturm, den der etwas steife und konservative Moderator Sullivan noch nie erlebt hatte. Der Grund: Ed Sullivan hatte die Beatles eingeladen, eine junge Band, die in England für Furore sorgte, die aber noch nie in den USA gespielt hatten. Sullivan hatte gesehen, wie die Beatles am Flughafen von Stockholm von ihren Fans bedrängt werden und hatte sie auf der Stelle gebucht.

Der Auftritt der Beatles bei Ed Sullivan gilt heute als einer der wichtigsten Momente der Pop-Geschichte. Die Ankunft der Beatles in Amerika, ihre zehntägige Tour, die mit der Ed Sullivan Show begann, markiert den Beginn ihrer Weltkarriere, die bis heute einzigartig ist. Vorher waren sie ein Phänomen in Europa, mit ein paar Top-Hits in England. Nachher waren sie Weltstars.

Jeder Pop-Historiker wird im Nachhinein bestätigen, dass sich die Beatles in den USA früher oder später ohnehin durch gesetzt hätten, ob mit oder ohne Ed Sullivan. Doch damals war das alles andere als klar. Nicht einmal die Beatles selbst waren sich sicher, wie sie in den USA ankommen würden. Noch auf dem Flug soll sich Paul McCartney gefragt haben, was die Beatles denn zu bieten hätten, was amerikanische Bands nicht haben. Immerhin gab es hier damals Elvis und Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Buddy Holly, auch wenn die ganz große Rock n Roll Euphorie schon deutlich abgeklungen war.

Doch schon Minuten nach der Landung waren solche Ängste zerstreut. Tausende von Fans warteten am John F. Kennedy Flughafen auf die Pop-Sensation aus England, die kurz zuvor mit „I want to Hold your Hand" ihren ersten Top-Hit in den USA gelandet hatte. Im berühmten Pan Am Terminal des Flughafens warteten 200 Reporter, die sich beinahe eine ganze Stunde lang ein unterhaltsames Geplänkel mit den vier Pilzköpfen lieferten. „Wollt Ihr für uns etwas singen?". „Nein, erst wollen wir Geld sehen." Oder: „Was haltet Ihr von Beethoven?" Ringo: „Toll, besonders die Gedichte."

Der Austausch befeuerte eine Beatles Euphorie, die in Wirklichkeit schon Wochen zuvor begonnen hatte. Zu Weihnachten wurde eine Dokumentation des beliebten TV-Reporters Walter Cronkite über die Beatles-Hysterie in England ausgestrahlt. Der Film sollte ursprünglich am 23. November laufen, doch er wurde dann wegen dem Anschlag auf John F Kennedy am Tag zuvor verschoben.

Als die Beatles landeten war der Funke bereits übergesprungen, die „britische Invasion" des Pops, bei welcher der Rock n Roll nach einer Frischenzellenkur in Europa in die USA re-importiert wurde, hatte begonnen.

Amerika war mehr als bereit, als Ed Sullivan an jenem Nachmittag auf die Bühne trat und nüchtern „Ladies and Gentleman – The Beatles" ankündigte. Noch bevor die vier aus Liverpool „All My Loving" anstimmen konnte, begann ein ohrenbetäubendes Kreischen von den Rängen, in denen neben der glücklichen Robin Lyn, die Töchter des späteren Präsidenten Nixon saßen, sowie der spätere Sänger der Monkees, Davy Jones.

Der Sender CBS, eines von drei Netzwerken der Vor-Kabel- Zeit verzeichnete in der kommenden Stunde eine bislang noch nie gemessene Einschaltquote. 73 Millionen Amerikaner wollten die Beatles sehen, das waren 40 Prozent der Bevölkerung. Eine solche Quote hat bis heute nicht ein einziges Super-Bowl Finale erreicht. In der US-Fernsehgeschichte war nur eine einzige Sendung erfolgreicher: Die letzte Episode der Kult-Kriegs-Komödie MASH.

Am nächsten Tag spielten die Beatles in der Carnegie Hall vor 3000 Zuschauern, die Tickets kosteten zwischen drei und fünf Dollar. Es gab einen weiteren Auftritt in der Ed Sullivan Show eine Woche später in Miami. Dann flogen sie wieder zurück nach England. Ihr nächster Auftritt in den USA kam im August 1966. Diesmal kamen 50,000 um die Beatles im Stadion von DC zu sehen. Die Dämme waren längst gebrichen.

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