Mittwoch, 03 Dezember 2014

Der Milliardärs-Park

Posted in email aus New York

Medien-Unternehmer Barry Diller baut eine Insel in den Hudson und treibt damit die Privatisierung von öffentlichem Raum in New York auf die Spitze

Es ist ein kühnes Projekt, das Medienunternehmer Barry Diller da in der vergangenen Woche in seiner von Frank Gehry gebauten Konzernzentrale an der West Street von Manhattan vorgestellt hat, eine städtebauliche Extravaganz, die selbst Las Vegas oder Dubai stolz machen würde.

Diller möchte direkt gegenüber seines Firmensitzes eine komplette neue Insel in den Hudson River setzen, einen schwimmenden Park mit Wiesen, Hügeln, verschlungenen Wegen und einer Konzertbühne. Dort, wo jetzt ein 100 Jahre alter Pier vor sich hin modert, sollen in der Zukunft Flaneure und Büroangestellte des neuen, angesagten Geschäftsviertels im westlichen Chelsea die Gelegenheit haben, am Wasser zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen.

Der Park, für den Diller 130 Millionen Dollar aus seiner eigenen Tasche ausgibt, wird ein weiterer Baustein in der beinahe abgeschlossenen Revitalisierung des lange Zeit brach liegenden Flussufers und des angrenzenden alten Hafen- und Lagerhallen-Bezirks. Der Meatpacking-Distrikt, wo einst Rinderhälften verarbeitet, verpackt und verschifft wurden, ist schon lange ein Luxus-Shopping- und Ausgeh-Bezirk. In den kommerziellen Gebäuden zum Fluss hin, sitzen junge Technologie- und Kommunikationsfirmen. Die in einen Park umgewandelten Hochbahngleise der High-Line gelten als ein Juwel des unteren Manhattan und locken täglich Zentausende von Touristen. Und rund herum ist in den vergangenen Jahren ein Ensemble der modernsten Architektur entstanden, die Manhattan heute vorzuweisen hat, darunter nicht zuletzt das neue Whitney Museum von Renzo Piano.

In diesem neuen Biotop für die stilbewusste Jungprofessionellen-Klasse waren die alten verfallenen Piers, an denen einst die Transatlantik Dampfer andockten, ein Fremdkörper, ein letzter Überrest einer längst vergangenen Zeit. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie in die neue Landschaft integriert werden, so wie etwas weiter nördlich die Chelsea Piers, die ein gigantisches, hochmodernes Sportzentrum beheimaten. Alleine, es fehlte bislang an Geld.

Deshalb war Barry Dillers Enthusiasmus für die Uferentwicklung auch hoch willkommen. Sowohl Gouverneur Cuomo als auch Bürgermeister DeBlasio lobten bei der Präsentation des Plans Dillers Bürgersinn . Diana Taylor, Vorsitzende des Hudson River Park Trust, der die Bebauung des Flußufers übersieht, sagte Herr Diller schaffe hier etwas „Wundervolles für die Öffentlichkeit.“

Doch nicht alle New Yorker sind begeistert. So schrieb der Journalist David Callahan, der sich mit Themen rund um die Philantropie beschäftigt in der New York Times vom vergangenen Sonntag ein kritisches Editorial, in dem er den „Milliardärs-Park“ beklagte. Der Park, so Callahan, sei ein „weiteres Beispiel dafür, wie eine ausgehöhlte öffentliche Hand immer mehr die Zügel aus er Hand gibt und zentrale Funktionen des amerikanischen Lebens einfach an den privaten Sektor übergibt.“

Der Diller Park im Hudson treibt laut Callahan und anderen Kritikern eine bedenkliche Entwicklung in New York und in anderen US-Städten auf die Spitze. Immer mehr öffentlicher Raum wird hierzulande privatisiert oder teilprivatisiert.

In New York begann diese Entwicklung in den 80er Jahren, als viele Parks heruntergekommen und gefährlich waren. Sie waren von Obdachlosen und Drogenkonsumenten bevölkert, anständige Bürger trauten sich nach der Dunkelheit kaum mehr hinaus.

Die Lösung dafür waren Zusammenschlüsse zwischen der Regierung und den ortsansässigen Unternehmern zu sogenannten BIDs oder Business Improvement Districts. Gemeinsam wurden die Parks aufgeräumt, sie werden gemeinsam Instandgehalten und mit Hilfe privater Sicherheitsfirmen überwacht. Das Vorgehen hat maßgeblich zur Revitalisierung ganzer Nachbarschaften beigetragen aber natürlich auch Grundstückspreise enorm in die Höhe getrieben. Kurz - die Park- Revitalisierung war ein zentraler Motor der Gentrifizierung.

Im Meatpacking Distrikt ist die Gentrifizierung freilich längst abgeschlossen. Insofern ist der neue Park, wie Callahan bemerkt, alleine eine weitere Verschönerungsmaßnahme einer Gegend, die ohnehin schon lange ein Spielplatz der Wohlhabenden ist. „Für gewöhnliche Durchschnitts-New Yorker hat der Park, in dem man nicht mal Baseball spielen kann, keinen Nutzen.“

Auf der anderen Seite, so Callahan, benötigen Parks in ärmeren Wohngebieten wie Harlem oder Bronx dringend der Sanierung. Doch dafür steht kein privates Geld zur Verfügung, da muss die Stadt schon selbst sehen, wie sie zurecht kommt.

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