Donnerstag, 26 Juni 2014

Cliven Bundy und die amerikanischen Konservativen

Posted in email aus New York

Die Nativisten gewinnen an Zugkraft

Es war eine  Szene wie aus einem John Ford Film, die sich da am vergangenen Wochenende am Virgin River im südlichen Nevada abspielte. Der Rancher Cliven Bundy stand mit seinem Stetson am Flußufer in der Sonne, umringt von etwa 50 Mann, zum Teil auf ihren Pferden und mit Gewehren bewaffnet. Sie waren gekommen, um ihm dabei zuzuhören, wie man sein hart erobertes Ranchland hier in der Wüste des wilden Westens verteidigt.

Genau das hatte Bundy und seine Mannen in der Vorwoche erfolgreich bewerkstelligt. Allerdings war seine Gegner nicht ein  anderer Rancher oder Banditos, wie das in einem alten Western der Fall gewesen wäre, sondern die Bundesregierung. Bundy hatte sich geweigert, seine Gebühren für das Begrasen öffentliches Land zu entrichten. Als die Bundesbehörde für Landmanagement daraufhin sein Vieh vertreiben wollte, rief Bundy eine Miliztruppe zusammen und jagte die Marshalls einfach wieder davon.

Die Aktion, letztlich nichts anderes als bewaffneter Widerstand gegen das Gewaltmonopol des Staates, hat Cliven Bundy zu einem Helden der amerikanischen Konservativen gemacht. Der Senator Rand Paul, ein möglicher Präsidentschaftskandidat, nannte ihnen einen Helden, sein Kollege Dean Heller aus Nevada findet, dass Bundy ein „Patriot“ sei. Das konservative TV-Netzwerk Fox feiert Bundy als aufrechten Kämpfer gegen eine skandalöse Überexpansion des Bundes, die Fox seit dem Amtsantritt von Barack Obama beobachtet.

Durch die solchermaßen gewonnen Popularität ermutigt fand sich Bundy am Wochenende dann dazu berufen, vor seinen Getreuen und einer Handvoll Fernsehkameras am Virgin River seine Ansichten zur Lage der Nation kund zu tun. Besonders bewegte ihn dabei die Lage seiner schwarzen Mitbürger.

Wenn er an Sozialbauten in Las Vegas vorbei fahre, erzählte Bundy, und sehe wie afro-amerikanische Familien davor herum lungerten, dann frage er sich bisweilen, ob es ihnen nicht unter der Sklaverei besser ergangen sei. Damals hätten sie nicht auf Staatskosten gefaulenzt und Kinder in die Welt gesetzt sondern hätten etwas zu tun gehabt und ein ordentliches Familienleben geführt. Im Grunde so Mr. Bundy, sei der schwarze Mann damals freier gewesen.

Das war dann doch auch den Herren Paul und Heller zu krude, die sich hastig wieder vom Rancher Bundy distanzierten. Jedenfalls von seiner Sklavenhalter-Nostalgie. Ihre Bewunderung habe lediglich seinem tapferen Widerstand gegen eine übergriffige Bundesregierung gegolten, betonten sie.

Für linksliberale Kommentatoren ließen die Bemerkungen von Bundy derweil eine unangenehme Wahrheit zutage treten, die von Leuten wie Paul oder Heller gerne vertuscht wird: „Die amerikanische konservative Bewegung ist tief in weißem Suprematismus verankert“, schrieb Tanehisi Coates vom Polit-Magazin Atlantic. Und Josh Barro schlug in dieselbe Kerbe, als er in der New York Times in seinem Kommentar zu Bundy darauf hinwies, dass die regierungsfeindliche Rhetorik der Republikaner ausschließlich von Weißen getragen werde.

Einig ist man sich in jedem Fall, dass man Cliven Bundy nicht als exzentrische Randfigur abtun kann, sondern als Phänomen leider ernst nehmen muss. Bundy steht für eine Haltung in den USA, die seit dem Amtsantritt von Barack Obama immer mehr an Zugkraft gewinnt. Rassistische Nativisten wie Bundy ergreifen das Wort oder gar die Waffen, weil sie glauben, dass es mit der Präsidentschaft eines Afro-Amerikaners Zeit für das letzte Gefecht sei. Dabei finden sie Sympathisanten bis tief in die republikanische Partei und in den weißen Mainstream hinein.

Andere Symptome dieser Entwicklung waren das Attentat auf eine jüdisches Gemeindezentrum durch einen neo-nazistischen Anarchisten in der vorvergangenen Woche sowie das Attentat auf einen Sikh Tempel in Milwaukee vor zwei Jahren. Die beiden Bluttaten wiesen auf einen wachsenden Organisationsgrad und eine wachsende Gewaltbereitschaft solcher Gruppen hin, deren Zahl laut offizieller Statistiken seit 2008 von 150 auf knapp 1000 angestiegen ist.

Experten warnen davor, dass diese Gruppen die größte Gefahr für die innere Sicherheit des Landes darstellen, weit größer als etwa islamistischer Terrorismus. Die Anhänger von Cliven Bundy sind darauf sogar stolz. Viele der bewafftneten Männer am Virgin River trugen T-Shorts mit der Aufschrift „Domestic Terrorist“.

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