Samstag, 01 Dezember 2012

California Dreaming

Posted in email aus New York

Urlaub an der Westküste

Woody Allen hat die Einstellung der meisten New Yorker gegenüber Kalifornien auf den Punkt gebracht als er einmal sagte: „Warum soll ich an einen Ort fahren, dessen einziger kultureller Vorteil es ist, dass man an der Ampel bei rot rechts abbiegen darf.“

 

New Yorker halten Kalifornier gewöhnlich für oberflächlich, seicht und unkultiviert. Während man an der Ostküste Romane schreibt, über Philosophie und Politik diskutiert und drei Mal pro Woche zur Psychoanalyse geht, produziert man im Westen Blockbuster, macht Yoga und geht Surfen.

 

Doch auch der New Yorker braucht manchmal Urlaub von sich selbst und verirrt sich dann bisweilen sogar an die Wesitküste. So haben wir vergangene Woche unser Lager in einem Örtchen im Weinland rund um Santa Barbara keine zwei Stunden nördlich von L.A. aufgeschlagen.

 

Wer den Film Sideways gesehen hat kennt die Gegend bestens. Es ist so etwas wie die amerikanische Toskana. Das Klima ist das gesamte Jahr über mild und sonnig, die saftigen Fusshügel der San Gabriel Mountains bersten nur so vor Fruchtbarkeit um diese Jahreszeit. Die Hänge sind mit Ginster und Klatschmohn überzogen, auf den Äckern werden Erdbeeren, Salat und Tomaten, die einen am nächsten Tag auf den Wochenmärkten mit ihrer unwirklichen Pracht und Fülle anlachen.

 

Und dann ist da der Wein. Er wird hier zwar erst seit 40 Jahren angebaut aber die Weinkultur der Gegend hat es in der Zeit zu einer bemerkenswerten Reife gebracht. In Lokalen, die von Aussen aussehen wie ein Truck-Stop, bekommt man zu seinen Spareribs einen erstklassigen örtlichen Pinot  Noir über dessen Herkunft und Herstellungsart der Wirt ausführlich zu referieren vermag. Man kann tagelang nur damit zubringen, von Gut zu Gut zu fahren und sich durch die erstaunliche Vielfalt und Güte der Reben und Lagen zu probieren.

 

Natürlich hat die Region als Weinregion keine tiefe eigene Identität wie Jahrtausende alte Anbauregionen in Europa. Die niedlich restaurierten Westernorte zwischen den alten spanischen Missionen sind überwiegend verkitschte Touristenattraktionen und der Anteil der konservativen, zumeist wohlhabenden weißen Bevölkerung ist beängstigend hoch. Afro-Amerikaner gibt es praktisch nicht, die vielen Mexikaner kommen über den Status der Feldarbeiter oder Zimmermädchen nur selten hiauns. In einem Cafe ein Gespräch über die Memoiren von Joan Didion, die neueste Arthur Miller Inszenierung  oder die rote Phase von Mark Rothko anzuzetteln ist eher schwierig. Man redet eher darüber ob der Winter zu warm für die Ernte war oder wie die neueste Diät anschlägt.

 

Aber man muss ja auch nicht gleich hierher ziehen. Für einen Kurzurlaub gibt es aber wohl in Nordamerika nur wenige romantischere Regionen.  

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