Dienstag, 09 September 2014

Bilder als Terrorwaffe

Posted in email aus New York

Die Enthauptungsvideos von ISIS

David Carr ist in seiner wöchentlichen Medienkolumne in der New York Times gestern noch einmal auf das Video von der Enthauptung des US Journalisten Steven Sotloff eingegangen.

http://www.nytimes.com/2014/09/08/business/media/with-videos-of-killings-isis-hones-social-media-as-a-weapon.html

David Carr beschreibt die überaus kunstvolle Inszenierung der Gräueltat, die belegt,  dass die islamistischen Terrornetzwerke äußerst gekonnt die Medien selbst als Terrorwaffen einsetzen.

Im Grunde weiß man das seit dem 11. September. Bei dem Attentat, darüber ist schon viel gesagt worden, ging es so sehr um die Produktion von Bildern, wie um den Mord an Zivilisten oder die De-Stabilisierung der USA. Das hat Maßstäbe gesetzt. Terroristen jeglicher Couleur haben die Schockwirkung der Bilder entdeckt und werden immer raffinierter bei ihrem Einsatz.

Im Jahr 2004 habe ich dazu bereits einen Text verfasst, der sich speziell auf die Folter-Selfies von US Soldaten aus Abu Ghraib bezog:

http://www.sebastianmoll.de/index.php/arbeiten/kultur-medien/54-schock-und-aufklaerung

Neu war damals die Tatsache, dass die Gewaltbilder elektronisch selbstgemacht wurden und über das Internet verbreitet wurden. Doch seither hat sich die Medienlandschaft dramatisch verändert. Mit der Explosion sozialer Medien und dem Einsatz von Video hat diese Form des digitalenTerrors eine neue Dimension erreicht.

Im New Yorker fragt nun Dexter Filkins zu Recht, ob das Video nicht, wie von den Machern vorgegeben, eine Botschaft ist, sondern Selbstzweck.

http://www.newyorker.com/news/news-desk/death-steven-sotloff

Die Inszenierung der Tötung als Videoclip ist der Terrorakt selbst, die Bilder sind die Waffe. Die Gewalt ist, wie bei 9/11, im Grunde nur Mittel zum Zweck.

Hierzu passt die Diskussion um die Echtheit der Videos, die Al Jazeera in dieser Woche vom Zaun gebrochen hat.

http://www.huffingtonpost.com/2014/09/07/al-jazeera-isis-story-retracts-foley-sotloff_n_5780312.html

Der Sender nannte das Video „nicht überzeugend“, man glaubte nicht, dass tatsächlich ein Mord stattgefunden hat.

Das wäre naheliegend, wenn es tatsächlich in erster Linie um das Video geht und weniger um die Tat selbst. Allerdings muss ISIS aufpassen. Wenn die Glaubwürdigkeit der Bilder verloren geht, ist auch das Video als Terrorakt wertlos.

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