Donnerstag, 27 Januar 2011

Abgedreht

Posted in email aus New York

New Yorker Cafes erklären Laptops den Krieg

Wenn man Maria nach einem drahtlosen Internetanschluss in ihrem Cafe fragt, dann antwortet die ansonsten überaus herzliche und zuvor kommende Venezuelanerin meistens vage und ausweichend. Irgendwie gehe das technisch nicht in ihrem kleinen Gastraum mit nur fünf Tischen noch einen Router zu installieren und außerdem sei es zu teuer. Auch das Angebot, auf den Cappucchino für das Internet jeweils noch einen Dollar drauf zu zahlen vermag nicht, sie umzustimmen. 

Das ist schade, denn man könnte es in Marias Etablissement wunderbar den ganzen Tag aushalten, wenn man hier auch arbeiten könnte. Das „Tanto Dulce“ ist ein Juwel in der Nachbarschaft rund um das City College in Harlem. Nirgends sonst hier in der Gegend gibt es so leckeren Kaffee und so leckere Süßigkeiten und nirgends sonst ist es so heimelig. 

Doch Maria hat sich entschlossen, sich einer neuen Bewegung unter den Kaffeehausbesitzern von Manhattan anzuschließen. Überall wird in letzter Zeit massiv gegen die Laptopbenutzer vorgegangen. Der Kultur, das Cafe zum zweiten Arbeitsplatz zu machen – die bei den beengten Büro- wie auch Wohnraumverhältnissen in New York ausgesprochen sinnvoll ist – soll der Garaus gemacht werden. Als erstes hat das beliebte Cafe Grumpy in Chelsea Laptops verboten. Andere, wie das Bluebird im East Village, folgten. Der neueste Trend ist nun, bei neuen Cafes gar keine Tische und Stühle oder gar bequeme Sessel mehr anzubieten. Die „Milaneser“ Espresso-Theke wird als der letzte Schrei angepriesen. Gemeinsam im Stehen Kaffee zu trinken fördere die Kommunikation unter den Gästen und schaffe eine offenere Atmosphäre, als wenn sich jeder hinter seinem Bildschirm versteckt, bewerben die Betreiber ihr neues Konzept.

Natürlich geht es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Man soll seinen Kaffee trinken und dann wieder verschwinden, damit der nächste Käufer Platz hat. Leute, die den ganzen Nachmittag herumlungern und an einem einzigen Macchiato nuckeln, meint man sich nicht mehr leisten zu können.

Die einzige Option, die den vielen New Yorkern, denen im Büro und in der Wohnung die Decke auf den Kopf fällt, bleibt, ist da leider der verhasste Starbucks. Die Kette bietet seit ein paar Monaten sogar kostenlos Internet an und man kann sich nach Belieben mit seinem Rechner auf ein Sofa lümmeln. Das ist schade, denn eigentlich will man ja lieber unabhängige Betriebe wie das Tanto unterstützen anstatt einem Großkonzern für den auf der ganzen Welt gleich schlechten Milchkaffee vier Dollar in den Rachen zu werfen. Ich würde Maria sogar versprechen alle Stunde ein neues Getränk zu bestellen. Aber leider ist sie auf diesem Ohr völlig taub. Ich werde sie trotzdem weiter nerven.

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