sport

Der Club der spontanen Söhne

 

Die Philadelphia Union begannen als Fan-Club ohne Team. Heute gibt die MLS-Mannschaft einer ganzen Stadt Hoffnung

 UNVEU-Das Magazin des 1. FC Union Berlin, Herbst 2018

 

Es ist kein guter Tag für Fußball in Pennsylvania, die Regenwolken hängen Schwarzgrau über dem Delaware River und der Parkplatz vor dem Talen Energy Stadium ist eine knappe Stunde vor Anpfiff noch leer. Die Parkwächterin ist in ein dickes gelbes Cape gehüllt aber man sieht an ihrem missmutigen Blick, dass ihr das kühle Nass trotzdem schon längst in die Glieder gezogen ist.

Nur in einer Ecke des riesigen Geländes unter dem Stahlskellett der Commodore Barry Bridge, die den Fernverkehr über den Fluss nach New Jersey führt, lassen sich die Fans die Laune nicht verderben. Sie stehen unter improvisierten Planen im knöcheltiefen Schlamm, der Zapfer des Bierwaggons hat kräftig zu tun und aus den Lautsprechern, die noch dem Wasser trotzen, dröhnt lauter Rock n Roll.

„Wir lassen uns nicht so leicht abschrecken“, sagt Matt Gendaszeck, der Präsident der Sons of Ben, jenes Fanclubs der Philadelphia Union, der hier seine Stammecke für das Tailgate vor den Heimspielen hat. Auf seinem hellblauen T-Shirt prangt das Logo des Clubs, ein Totenkopf mit der markanten Haartracht und der Nickelbrille von Benjamin Franklin – dem berühmten Sohn der Stadt Philadelphia und Mitverfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der dem Fanclub seinen Namen gegeben hat. Darunter steht in gothischen Lettern: „Ad finim fidelis“ – in ewiger Treue.

Gendaszek ist jetzt seit fünf Jahren Präsident der Sons of Ben, er hat den Stab von der Gründergeneration des bemerkenswertesten Fanclubs im US-Fußball übernommen. „Die waren ausgebrannt, nach all dem, was sie erreicht haben“, sagt der stämmige Mitvierziger, dessen sonniges Gemüt unzerstörbar erscheint. Jedenfalls an Tagen wie diesen, an denen die Philadelphia Union zuhause spielt.

Die Geschichte der Sons of Ben beginnt wie alle guten Fußball-Geschichten in einer Kneipe. Die drei Kumpel Andrew Dillon, David Flagler und Bryan James waren seit Jahren Stammgäste im McGillin’s Pub in Downtown Philadelphia – eine der wenigen Kneipen in der Football- und Basketball-Stadt, die auch Fußball zeigte. Immer, wenn Champions League Spiele oder MLS Playoffs waren, trafen sie sich im McGillin’s, tranken ihr Guiness und meistens beklagten sie sich dabei darüber, dass es in Philadelphia keine Fußball Mannschaft gibt.

Am 17. Januar 2007, das wissen sie noch genau, weil es der 301te Geburtstag von Benjamin Franklin war, beschlossen sie dann im McGillan’s, etwas zu unternehmen, um Fußball in ihre Heimatstadt zu bringen. Die Sons of Ben, die heute mehr als 4500 Mitglieder haben, waren geboren.

Die US Profi-Liga MLS war damals in einer Wachstumsphase, seit 2004 war jedes Jahr eine Mannschaft hinzugekommen. Für die Fußball-Fans in Philadelphia, wie die ursprünglichen Söhne Bens, war es dabei jedoch ein Skandal, dass Städte wie Houston, Toronto und San Jose einen Zuschlag bekommen hatten, Philadelphia jedoch nicht einmal auf der Liste stand.

So wurden die Sons of Ben der erste Fußball-Fanclub ohne Mannschaft. Sie entwarfen ein Logo und machten T-Shirts, Kappen und Schals. Sie zogen durch die Kneipen um Werbung für ihre Sache zu machen und gingen zu Heimspielen der anderen Sportteams in Philadelphia. Sogar zum MLS Pokalfinale in Washington reisten sie als Philadelphia Fanclub und feuerten ein Team an, das gar nicht auf dem Platz stand. Die Aktion brachte ihnen den Zorn der anderen Fans ein und inspirierte die Sons of Ben – was abgekürzt auch SoB oder Sons of Bitches heißt – zu dem Motto „No one likes us.“

Doch die SoBs machten nicht nur mit Sponti-Aktionen auf sich aufmerksam. Immer mehr entwickelten sie auch eine praktische Strategie, um tatsächlich ein Team an den Delaware River zu holen. Sie sammelten Unterschriften und sicherten 3000 Bestellungen für Saisonkarten, falls ein Team nach Philadelphia kommt. Und sie begannen sowohl bei der MLS als auch bei den Politikern Lobbyarbeit zu betreiben.

Der Durchbruch kam für die Sons of Ben als sie es schafften, Nick Sakiewicz für ihr Projekt zu begeistern. Der polnisch-stämmige einstige Torhüter war in New Jersey aufgewachsen, keine 100 Kilometer von Philadelphia entfernt. Der Gedanke einer Profi-Mannschaft in Philadelphia, die den anderen Ostküsten – Teams New York und Washington Paroli bietet, begeisterte ihn zutiefst und so schmiss er seinen Job als Sportmanager hin und gründete die Firma, der bis heute die Union gehört.

Sakiewicz holte eine Gruppe privater Investoren an Bord, die den Bau eines Stadions finanzierten. Gemeinsam mit den Sons of Ben machte er der Politik die Idee schmackhaft und sicherte eine Zusage über 47 Millionen Dollar aus dem Budget des Staates Pennsylvania. Und so stellten Sakiewicz und die Sons of Ben eine sehr ansehnliche Bewerbung für die MLS zusammen.

Am 28. Februar 2008 stand Sakiewicz dann vor rund 200 Sons of Ben mit einem Bier in der Hand auf einem Hocker im McGillin’s und bat um Gehör. In wenigen Stunden, offenbarte er den Fans, werde die MLS ihre Entscheidung darüber bekannt geben, welche Stadt das 16te Liga Team bekommt. Die Ankündigung, orakelte Sakiewicz, werde den Sons of Ben gefallen. Der Jubelschrei im McGillin’s war so laut, dass er beinahe die alte Liberty Bell in Philadelphia in Schwung gebracht hätte.

Es ist kurz vor sieben am Delaware und der sommerliche Sturzregen hat sich in ein leichtes Nieseln verwandelt. Der Parkplatz zwischen dem Stadion und dem alten Wasserkraftwerk, in dem die Union heute ihre Büros hat, füllt sich doch noch. Die Parkwächterin hat die Haube ihres Capes in den Nacken gestülpt und ist deutlich freundlicher geworden.

Die Sons of Ben haben sich unterdessen in ihrer Kurve auf der Flußseite eingerichtet. Drei Blocks füllen sie jetzt, blau-goldene Banner wehen und ein Anheizer steht mit Flüstertüte vor dem Fanblock und stimmt die ersten Gesänge an. „You came a long way – just to lose“, schallt es zur Melodie von „He’s got the whole world, in his hands“ in Richtung der Fans vom New York FC. „NYC, NYC, NYC“ – tönt es aus dem Nachbarblock aus den Kehlen der höchstens 200 angereisten New York Fans zurück.

Es ist eine prächtige Stimmung im beinahe ausverkauften 18,000-Sitz Stadion. Der Abendhimmel färbt sich nach dem Regenguss exakt in den Blautönen der Sons of Ben T-Shirts, während die Flutlichter langsam angehen. Die Philly-Fans sind in höchster Erregung vor dem Derby mit New York. Die Rivalität mit dem vornehmen Nachbarn aus dem Norden hat einen besonderen Geschmack hier.

Gleich mehrere Dinge kommen zusammen in dieser Rivalität. New York, das ist für Philadelphia die Stadt der Bänker und Bonzen, Philadelphia ist alte Inudstrie- und Arbeiterstadt. Das Underdog Feeling wird noch dadurch verstärkt, dass der NYCFC ein Farm Team von Manchester City ist und mit Öl Milliarden aus dem Nahen Osten finanziert wird. Und dank dieser Milliarden konnte sich New York auch David Villa als Stürmer leisten.

Die Union hingegen sehen sich mit ihrer Sons of Ben-Story als Mannschaft des Volkes. Das Besitzer-Konsortium besteht aus Geschäftsleuten aus der Gegend. Das Team hat zwar auch internationale Spieler, wie den Tschechen Borek Dockal, den Kameruner Oiivier Mbaizo und den Brasilianer Ilsinho. Einen Star vom Kaliber Villas gibt es aber nicht, dafür fünf Jungs aus der Region, die durch die hauseigene Akademie gegangen sind. So, wie den erst 20 Jahre alten Verteidiger Auston Trusty, nach dem sich jetzt schon europäische Clubs die Finger lecken.

Das Spiel heute Abend ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig. Die Philadelphia Fans sind unruhig geworden in letzter Zeit. Die Freude, in der MLS überhaupt dabei zu sein, verblasst langsam. Man will mehr in der Flusskurve, die Aussicht etwa, irgendwann einmal um den Titel zu spielen. „Es setzt langsam ein wenig Apathie bei uns ein“, sagt Matt Gendaszeck.

Bislang ist die Union jedoch in der Liga immer eher im Mittelfeld herum gedümpelt. Zwei Mal hat es für die Playoff Teilnahme gereicht, doch beides Mal war in der ersten Runde Schluss. Immerhin ist man zwei Mal bis ins Pokalfinale vorgedrungen und auch in diesem Jahr spielen die Union wieder um den Cup.

Die normale Saison hat hingegen wieder mittelmäßig angefangen. Doch in den letzten Spielen findet die Union ihren Tritt. Ein Sieg gegen New York würde den Trend bestätigen und die Hoffnungen wach halten, zumindest einmal bis in das Conference Finale zu kommen.

Die Ungeduld der Fans ist freilich bis ins Front Office des Clubs vorgedrungen. Man hat natürlich Verständnis dafür und tut sein Bestes, die Gemüter zu beruhigen. „Wir versuchen den Leuten immer wieder zu erklären, dass wir eine Mannschaft werden wollen, die Jahr für Jahr ganz vorne mitspielt. So etwas aufzubauen, dauert aber länger als ein kurzlebiger Erfolg“, sagt Marketing-Direktor Doug Vosik.

Überhaupt bastelt die Union derzeit mit Hochdruck daran, sich selbst zu finden und Vosik ist der Mann, der diese Bemühungen anführt. „Es ist Zeit für uns, heraus zu finden, wer wir sind und wo wir hin wollen“.

Vosik ist Anfang 40, Glatze, Bart und Designer Brille. Im Regal seines Büros gegenüber des Stadions steht seine Sammlung von Designer-Fußballschuhen- „Eine Leidenschaft von mir“, sagt er.

Als Vosik an Bord kam, war die Story der Philadelphia Union vor allem die Sons of Ben Story, über die es sogar eine Netflix-Doku gibt, die Story eines Graswurzel-Vereins, eine Story von Leidenschaft und Liebe. Aber für ein modernes Sportunternehmen war das nicht genug. Deshalb holte man den Brander Vosik.

Vosik brauchte nicht lange, um das Wachstumspotential der Union zu identifizieren. „Die Sportteams in Philadelphia appellieren traditionell an das Image der Stadt als harte ehrliche Arbeiterstadt“, sagt er. Das will die Union nicht unter den Tisch fallen lassen. Aber sie will mit Vosik auch eine andere Bevölkerung an sich binden.

„In den letzten fünf Jahren kommen immer mehr Leute zwischen 18 und 34 nach Philadelphia, Leute aus der Technologie Branche, Leute aus kreativen Branchen.“ Das ist laut Vosik genau die Schicht, die sich für eine nicht-traditionelle Sportart mit Euro- Touch begeistern lässt. Ganz abgesehen davon, dass sie ausgesprochen kaufkräftig ist.

Für diese Zielgruppe will die Union vor allem eines: Cool sein. Das sieht man an den Grafittis, mit denen die Betonwände unter der Tribüne dekoriert sind. Das merkt man vor allem auch am Internetauftritt des Clubs, der frisch und frech daher kommt und in den extrem viel investiert wird. Das merkt man am Hip Hop, der während dem Spiel aus den Stadion-Lautsprechern dröhnt. Und das sieht man an den Spielern, die zu metrosexuellem Auftreten im Euro Stil und zu kreativen Tatoos ermuntert werden.

Auf der anderen Seite der West 2nd Street, die das Flußufer mitsamt Stadiongelände von der Gemeinde Chester, knapp 20 Kilometer südlich der Innenstadt von Philadelhia, abtrennt, hat man indes ganz andere Sorgen. Die Hauptstraße der Kleinstadt gibt ein Bild des Elends ab. Jedes zweite Geschäft steht leer, die oberen Etagen der zum Teil prachtvollen Beaux-Arts Bauten sind mehrheitlich vernagelt. Die einzigen Betriebe sind Discount-Shops für Matratzen und Kinder-Bekleidung und ein Schnellrestaurant, dessen Innenausstattung an einen Bahnhofswartesaal erinnert.

Im kleinen Stadtpark vor der Kirche sitzt ein älterer Mann, auf einen Spazierstock gestützt. Seine Hose ist fleckig, das Gebiss weist große Lücken auf. Ob die Ankunft der Philadelphia Union hier in Chester einen Unterschied gemacht hat: „Auf meinen Tisch hat es keine zusätzliche Mahlzeit gestellt“, sagt der Mann, der sich als Alvin vorstellt. „Das Geld, das bleibt doch unter denen da oben“, sagt Alvin, der in Chester aufgewachsen ist.

Alvin kann sich noch gut daran erinnern, wie es hier in Chester war, bevor die Dinge bergab gingen. „In den 50er Jahren, als ich ein kleiner Junge war, musste man nicht nach Philadelphia fahren, um etwas einzukaufen“, sagt er.

Damals war Chester eine blühende Industriestadt. Es gab die Werften am Delaware, es gab Papierfabriken und eine Fertigungsstätte von Ford. Jeder hatte Arbeit und Geld, die Main Street von Chester hatte ein großes Kaufhaus, florierende Restaurants und zwei Kinos.

Doch dann wanderte der Bootsbau ab, weil der Delaware River für die großen

Schiffe zu klein wurde. Die Arbeitslosigkeit wuchs und auch die Unzufriedenheit. Und nachdem in den 60er Jahren die vorwiegend schwarze Bevölkerung von Chester gegen Rassentrennung und Polizeigewalt auf die Straße ging, zog sich auch der Rest der Industrie zurück.

Zurück blieb eine Stadt die an Detroit erinnert. In den Wohnbezirken ist jedes zweite Haus vernagelt, auf den leeren Grundstücken türmt sich der Müll. Die Menschen trauen sich aus Angst vor Schießereien nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße.

Der Deal, zwischen dem Staat Pennsylvania und der Philadelphia Union, sollte die Geschicke von Chester wenden, man hoffte, dass das Stadion die Wirtschaft von Chester ankurbeln würde. Es gab einen 47 Millionen Kredit und Steuervergünstigungen für den Club im Gegenzug für Investitionen. Tausende von Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, neben dem Stadion sollte am Flußufer ein Komplex mit Büros, Restaurants und Unterhaltungsgelegenheiten entstehen. Und die Stadionbesucher, so die Hoffnung, würden ihre Dollars zu Betrieben auf der anderen Seite der West 2nd Street tragen.

Doch bis auf das Stadion und die Büros der Union gibt es am Flussufer bis heute nichts. Und in das Pure and Good Cafe, nur 200 Meter vom Stadion entfernt, wo der Besitzer Mahmoud Spezialitäten aus seiner Heimat Trinidad serviert, hat sich bislang noch nicht ein einziger Fan verirrt.

Doch die Leute in Chester geben nicht der Philadelphia Union die Schuld dafür, dass es ihnen nicht besser geht. Ihre Erwartungen waren von Anfang an gedämpft. Man ist es gewohnt hier, dass Versprechen nicht eingehalten werden, dass es am Ende dann doch niemandem wirklich wichtig ist, dass es in Chester besser wird.

Patricia Trippley etwa sagt: „Man kann nicht von der Union alleine erwarten, dass sie unsere Stadt rettet. Da müssten alle zusammen kommen, unsere Stadtregierung, der Staat, unsere Bürger.“

Patricia lebt in einem sorgsam gepflegten Haus in der East 23rd Street von Chester. Die Veranda ist frisch gestrichen, im Vorgarten sind Beete mit Stiefmütterchen angelegt. Es ist eine kleine Oase in einer Wüste des Verfalls.

An der Wand ihres Wohnzimmes hängt ein überlebensgroßes Portrait ihres Sohnes Will, einem gut aussehenden jungen Mann mit dichten Rasta Locken. Will war ein Fußball-Talent, er hatte ein Stipendium für das Team des Widner College auf der guten Seite der Schienen hier in Chester. Nach dem College wollte er nach Europa gehen, um sein Glück als Profi zu versuchen.

Doch dann kam jener 12. April des Jahres 2004, als Will mit seinem Freund Mike vom Laden der Nachbarschaft drei Blocks von hier entfernt nach Hause lief. Ein Auto fuhr vor, ein junger Mann stieg aus und zog seine Pistole. Mike zog seine eigene 45er, die er unter der Jacke trug. Am Ende lagen zwei junge schwarze Männer tot auf der Strasse. Einer davon war Will.

Patricia Trippley hat seitdem eine Stiftung gegründet, um Fußball in Chester zu fördern. Sie will Kids zwischen 5 und 16 etwas Produktives zu tun geben nach der Schule, Struktur und Gemeinschaft bieten. Dabei helfen, den Kreislauf zwischen Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt in Chester zu brechen.

Die Union habe sie dabei nach Kräften unterstützt, sagt sie. Sie haben einen Bolzplatz gebaut, sie kaufen Bälle und Schuhe und Trikots. Die Kids bekommen Tickets zu den Spielen und ab und zu lassen sich die Spieler blicken, geben Autogramme und kicken ein wenig mit den Kids. Im nächsten Jahr soll ein Grasplatz mit Flutlicht und Tribüne für den Jugendfußball hier gebaut werden.

Und so ist Patricia ein großer Fan der Union. Im Stadion war sie seit einer Weile nicht mehr, aber sie liebt es mit den Sons of Ben, bei denen sie Ehrenmitglied ist, in der Kurve zu stehen. „Alle warten so sehnsüchtig auf ein Tor und wenn es dann passiert dann explodieren alle. Das ist so toll, da kenne ich mich selbst nicht mehr.“ Spätestens zu den Playoffs will Patricia da wieder hin, für ein paar Stunden ihre Sorgen und das harte Leben in Chester vergessen.

Je länger der Abend ist, desto höher geht es in der Flusskurve im Talen Stadion zu. Als Ilsinho in der 76ten Minute gleich an drei Verteidigern vorbei tanzt und den Ball zum 2:0 in die rechte Ecke des New Yorker Tors schiebt, sind die Sons of Ben im siebten Himmel. „You only sing when you’re winning“ wird dem stillen New Yorker Block entgegen gegrölt, gespickt mit Hunderten in den Himmel gestreckten Mittelfingern.

20 Minuten später stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange auf der West 2nd Street, ein Dutzend Polizisten weist ihnen den Weg zur Rampe auf die Interstate in Richtung Norden. Die Nachbarschaft entlang der Nordseite der Straße bleibt jedoch dunkel. In einer halbe Stunde wird es hier still sein. Und in den Häusern sitzen dann Mütter und beten, dass ihr Sohn den Anbruch des nächsten Tages erlebt.

Go to top