Es war einmal in Amerika

  • ernie

Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, November 2014

Pater Fabian sitzt tief in sich versunken auf einem Stuhl im Gang seiner Kirche, der Church of the most precious blood an der Baxter Street, er merkt es kaum, wie seine Gemeinde an ihm vorbei in das Hauptschiff zieht und dabei fast über seine Füße stolpert. Man könnte beinahe meinen, er hält ein Nickerchen. Fabian muss sich sammeln, er ist schließlich schon 88 Jahre alt und den Sonntagsgottesdienst hier zu halten, ist für ihn eine enorme Anstrengung.

Doch seine Schäfchen nehmen es ihm nicht übel, dass er nicht mehr der Agilste ist, sie sind mit ihm alt geworden in seinen 30 Dienstjahren hier. Nicht einmal zwei Dutzend sind es, die an diesem Sonntag hierher gefunden haben, in den schlichten 120 Jahre alten Klinkerbau im Herzen von Little Italy.  Kaum jemand ist jünger als 65, nur ein einziger Teenager ist dabei, der seinen Protest gegen den erzwungenen Kirchenbesuch durch das Tragen eines Seidentrainingsanzugs in den Farben des AS Rom ausdrückt. Weiterlesen...

Die Neoliberalisierung von New York

Frankfurter Rundschau, Oktober 2014

Man ist ihn eigentlich gar nicht mehr gewohnt in New York, den Anblick von Obdachlosen in Parks, Bahnhöfen und auf der Straße, jenen Anblick der noch vor 15 Jahren ein selbstverständlicher Teil des Stadtbildes war. Die beiden letzten Stadtregierungen der konservativen Bürgermeister Giuliani und Bloomberg hatten es geschafft, die Obdachlosenbevölkerung effektiv zu verwahren und die empfindlichen Augen und Nasen ihrer treuen und teuren Steuerzahler davor zu schützen.

Weiterlesen...

Unter Generalverdacht

  • Muslime
Muslime in den USA müssen sich noch immer gegen Vorwürfe wehren, sie sympathisierten heimlich mit Terroristen
(Berliner Zeitung)

Zehn Minuten lang hat die Frau im Hidschab sich durch ihr Fenster angeschaut, was ich vor ihrem Geschäft an der Bay Ridge Avenue treibe. Doch jetzt hält es sie nicht mehr zwischen den Kleiderständern ihres Damenmodeladens „für die moderne islamische Frau", wie es auf der grünen Markise der „Paradise Boutique" heißt. Zaghaft tritt sie vor die Tür und fragt höflich, warum ich die Bay Ridge Avenue fotografiere, an der sich arabische Fisch- und Gemüsehändler mit islamischen Buchhandlungen, Wasserpfeifen-Cafes und Schwarma-Ständen ablösen.

Weiterlesen...

Bye Bye Chelsea

  • Chelsea
Das legendäre New Yorker Hotel wurde an einen Immobilienmogul verkauft. Es ist das Ende einer Ära
(Berliner Zeitung, Foto: Wowe)

Auf den ersten Blick ist alles so wie immer im Chelsea Hotel.

Rund um die Lobby hängen die eklektischen Kunstwerke der Hotelbewohner, die zumeist mehr von der Ambition als vom Talent ihrer Schaffer künden und die alle etwas Beängstigendes haben. Von der Decke baumelt wie vermutlich seit Jahrzehnten die Pink Lady, ein dickes Pappmachee-Mädchen in einem rosa Tutu, das auf einer Schaukel hockt nur darauf wartet, einen Schubs in Richtung 23te Straße zu bekommen. Auf dem Sims über dem kalten Kamins steht eine Büste des langjährigen Hotelmanagers Stanley Bard.

Weiterlesen...

Weitere Beiträge...

Go to top