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Was kostet das Studium in New York?

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Wie kommen Studenten in New York mit ihrem knappen Budget aus? Wo wohnen sie? Wo gehen sie zum Einkaufen? Wie teuer ist das kulturelle Angebot?
(Spiegel Online)

"Wer es gerne bequem hat", sagt Nina Brandt, bis vergangenen Herbst deutsche Stipen-diatin für Medienwissenschaften an der New Yorker New School, „der kommt lieber nicht nach New York." Enge Wohnverhältnisse, lange U-Bahnfahrten in erschwingliche Wohn-bezirke, Streifzüge quer durch die Stadt zu billigen Lebensmittelgeschäften und bezahlbaren Lokalen, dazu meist extrem hohe Anforderungen an der Uni – das ist nicht Jedermanns Sache. Wer bereit ist, das alles auf sich zu nehmen, dem liegt der Big Apple jedoch zu Füßen. New York kann teuer sein, muß es aber nicht, besonders seitdem der Dollar ins Bodenlose zu stürzen scheint. Mit 1400 Dollar pro Monat ist Nina Brandt hier ausgekommen, bevor sie nach ihrem Abschluß einen Job bei der UNO gefunden hat – das sind derzeit gerade einmal 1010 Euro.

New York gehört schon lange nicht mehr zu den teuersten Städten der Welt. Die Kultur- und Wirtschaftsmetropole am Hudson River ist zwar nach wie vor die teuerste Stadt der USA. Im Weltvergleich liegt sie jedoch laut einem Ranking der US Unternehmensberatung Mercer nur noch auf Platz 15 – hinter Singapur und Paris und nur knapp vor Dublin und Tel Aviv. Wer findig und dynamisch ist, wie etwa Nina Brandt, der kann als Student für relativ kleines Geld sowohl das üppige Kulturangebot und das vielfältige Nachtleben, als auch die vielen Möglichkeiten zu interessanten Berufspraktika genießen, die New York zu bieten hat. Ganz zu schweigen von dem betörenden Beat und dem noch immer einzigartigen Lebensgefühl der Stadt.

Die größte Hürde zu einem Studium in New York sind die hohen Studiengebühren der amerikanischen Universitäten. Zwischen rund 16,000 Dollar für ein Studienjahr in Sozial-arbeit und bis zu 28,000 Dollar für ein Jahr an der renommierten Columbia Business School kosten die Kurse hier, die dafür jedoch grundsätzlich auf einem extrem hohen Niveau stattfinden und sich auch auf dem Lebenslauf prächtig machen. Der einfachste Weg, diese Gebühren zu finanzieren ist über Austauschprogramme deutscher Universitäten oder über Stipendien von Organisationen wie Fulbright und dem Deutschen Akademischen Austausch-dienst. Einzelne Fachbereiche an den Universitäten fördern jedoch auch begabte Studenten und erlassen ihnen Anteile der Gebühren – besonders, wenn man schon ein oder zwei Semester mit einem Austauschprogramm hier sind.

Mit einem Studentenbudget in New York vernünftig zu wohnen ist sicherlich die größte Herausforderung. New Yorker geben zwischen 40 und 60 % ihres Einkommens für das Wohnen aus, eine Einzimmer-Wohnung mit Kochnische in Manhattan südlich der 110ten Strasse – der Grenze zu Harlem – kostet in der Regel um die 1800 Dollar. Und dafür bekommt man weder eine Garantie, dass es auch Fenster gibt, noch, dass man vor Ratten gefeit ist. Studentenwohnheime sind nur unwesentlich günstiger: Im internationalen Studen-tenhaus kostet die Miete etwa 1200 Dollar für ein Zimmer, das man mit einem Kommilitonen teilt.

Die meisten Studenten leben deshalb – wie übrigens auch viele Berufstätige in New York – in Wohngemeinschaften. Schon alleine, weil das Leben in den Heimen vom Leben der Stadt sehr isoliert ist. Über die website „craigslist.com" findet man schnell und leicht ein Zimmer – man kann meist innerhalb weniger Tage einziehen. Eine eigene Wohnung zu mieten ist hingegen für ausländische Studenten nicht möglich – Vermieter überprüfen grundsätzlich die Bonität von Mietern, und wer in Amerika nicht schon seit Jahren Konten und Kreditkarten hat, bekommt auch keinen Vertrag.

Aber auch die WG-Zimmer sind in den begehrten Wohnvierteln für Studenten kaum er-schwinglich. Im Szeneviertel East Village etwa ist es die Regel, für ein etwa 10 Quadratmeter großes, oft fensterloses Zimmer in einer Vierer-WG zwischen 12 und 1500 Dollar zu bezahlen. Die meisten Studenten ziehen deshalb in die Außenbezirke, die immer rarer werden. Williamsburg in Brooklyn, vor zehn Jahren noch billger und cooler als der Prenzlauer Berg beispielweise, ist miittlerweile genauso teuer wie Manhattan.. Nina Brandt wohnt deshalb jetzt in Bedford Stuyvesant, einem Viertel in Brooklyn in dem bis vor zehn Jahren noch Bandenkriege und Schiessereien an der Tagesordnung waren. Dort zahlt sie für ein hübsches Zimmer in einer Vierer-WG 875 Dollar. Seit Bürgermeister Giuliani die Stadt ziemlich rabiat befriedet hat, muß man sich in solchen Vierteln nicht mehr fürchten. Man muss allerdings lange U-Bahn-Fahrten in Kauf nehmen und sich von der Vorstellungen des schicken Boheme-Lebens in New York mit coolen Cafes und Kneipen direkt vor der Tür verabschieden. Dafür macht man die äußerst interessante Erfahrung, als weiße Minderheit in vorwiegend schwarzen oder hispanischen Vierteln wie Harlem oder der mittlerweile auch durchaus bewohnbaren Bronx zu leben.

Wenn das Wohnproblem einmal gelöst ist, kommt man in New York jedoch mit kleiner Kasse blendend über die Runden. Der Transport etwa ist mit einam Dollar achtzig pro U-Bahn Fahrt ausgesprochen erschwinglich – auch wenn New Yorker über die etwa alle zwei Jahre stattfindenden Fahrpreiserhöhungen genauso ausführlich und leidenschaftlich schimpfen, wie über die angebliche Unzuverlässigkeit der Züge und den miserablen Zustand des Netzes. Die Wahrheit ist jedoch, dass einen die alten quietschenden und knarzenden Züge rund um die Uhr und rasch überall hinbringen. Ausserdem ist auch nach Jahren in New York die U-Bahn Fahrt noch immer ein Erlebnis.

Darüber hinaus sind Findigkeit und Ortskenntnis gefragt in New York, wenn man sein Geld zusammen halten muß. Man kann etwa leicht für ein sehr mittelmässiges Essen 30 bis 40 Dollar hinblättern. Man kann aber auch an einem Stand am Union Square für zwei Dollar köstliche Falafel essen oder zur Not ein Ein-Dollar Menü bei der Burger Kette Wendy's bekommen; oder man kann in der Kult-Kneipe Rudy's in Hell's Kitchen zum drei Dollar Bier kostenlose Hot Dogs essen. Ähnliches gilt für's Einkaufen – man muss nur wissen wo. Den organischen Edelsupermarkt Whole Foods sollte man beispielsweise meiden. Stattdessen kann man beim Wochenmarkt am Union Square für wenig Geld frisches Obst und Gemüse aus dem Umland bekommen, billigen frischen Fisch in China Town oder griechische Leckereien in den Läden im griechischen Viertel in Queens. Das mag aufwändig sein, macht aber gleichzeitig einen Teil des Abenteuers New York aus.

Auch das New Yorker Kultur- und Nachtleben muß einem nicht versperrt bleiben, weil man keine 20 Dollar für den Moma-Eintritt oder keine 400 Dollar für ein Sting-Konzert im Madison Square Garden zahlen möchte. Ins Moma kommt man beispielsweise Freitagsabends umsonst. Im Whitney Museum und im Guggenheim zahlt man Freitags lediglich einen freiwilligen Beitrag. Im Metropolitan Museum gilt diese Regelung die ganze Woche. „Ich zahle grundsätzlich drei Dollar", erzählt der Dresdner Musikstudent Leonhard Straumer, der regelmässig im Metropolitan durch die Sammlungen läuft. „Ich kenne aber auch Leute, die zahlen nur 25 Cents." Kostenlos sind Streifzüge duch die rund 300 Galerien im Kunstviertel Chelsea – eine beliebte New Yorker Samstagsnachmittagsbeschäftigung.

Für klassische Konzerte gibt es grundsätzlich Studentenkarten. An der Carnegie Hall und an der Met kann man außerdem am Nachmittag der Vorstellung oft für zehn Dollar noch Restkarten bekommen. Clubs mit Live-Musik und mit DJs müssen auch nicht teuer sein – oft kostet der Eintritt in Ausgehvierteln wie der Lower East Side und dem Meatpacking District nur fünf bis zehn Dollar. Und auch guter Jazz muss nicht teuer sein. Im Coca Cola Club am Lincoln Center etwa spielen die Bands, die vorher auf großer Bühne für 60 Dollar gespielt haben, ab Mitternacht für nur noch zehn Dollar zu ihrem eigenen Vergnügen. In Harlem findet man sogar noch Jazzclubs wie das St. Nick's Pub, wo kostenlos gejammt wird. Teuer bleiben nur Getränke – ein Bier kann sieben bis acht Dollar kosten. Leo Straumer löst das Problem, in dem er eben „vorher schon zuhause ein oder zwei Bier" trinkt.

Alleine beim Kinogang führt am Standardpreis von ca. zehn Dollar kein Weg vorbei. Da hilft alleine, den üblichen Kartenkauf per automatisierter Telefonanlage auszunutzen und ein Seniorenticket für sechs Dollar zu bestellen. Wenn der Kartenabreißer sich beschwert, kann man ja noch immer alles auf diese „blöde moderne Technik" schieben.

– Studio. Klingt nach einer Künstlerloft ist in Wahrheit in New York aber die euphemistische Bezeichnung für eine zumeist winzige Einzimmerwohnung. – Nickel and Dimed. Kommt von Nickel (fünf Cent Stück) und Dime (zehn Cent Stück). „I got Nickel and Dimed" heißt „Ich bin über's Ohr gehauen worden." Passiert anfänglich grundsätzlich jedem in New York, bis man ausreichend mißtrauisch geworden ist und sich zu wehren weiß. – Gesundheit und auf Wiedersehen. Klingt deutsch ist aber, new yorkerisch ausge-sprochen, jiddischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Verpiss' Dich". – "Was there anything wrong with the service?" Das ist die höflich klingende Frage, die einem begegnet, wenn man zu wenig Trinkgeld gibt. Auch das hört man häufig, bis man sich an das System gewöhnt hat, 20 % Trinkgeld zu geben, weil die Entlohnung für Kellner nicht im Preis enthalten ist. – „Spare some change". Kannst Du etwas Kleingeld entbehren. Das hört man in der U-Bahn täglich rund ein Dutzend Mal von Obdachlosen. Es empfiehlt sich nur selektiv Vierteldollar Stücke zu spenden, besonders wenn man als Student nur ein knappes Budget zur Verfügung hat. – New York Minute. Eine New Yorker Minute bezeichnet einen Zeitraum, der deutlich kürzer ist als eine Minute, weil in New York nun einmal alles ein wenig schneller und hektischer ist – This one is on me. (Den nächsten zahl ich). Bekommt man beim vierten Drink vom Barkeeper gesagt. Vieltrinker bekommen in New York traditionell Mengenrabatt. – Bridge and Tunnel. Bezeichnet die nicht sehr beliebten Leute, die Freitags- und Samstagsabends aus Long Island und New Jersey über die Brücken und Tunnel in die Stadt kommen. Der New Yorker bleibt dann oft lieber zuhause und geht erst unter der Woche wieder aus, wenn er wieder unter New Yorkern ist.

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